Mobilität Angst vor Anhaltern

Daumen raus: Bergkirchen hat im Juni seine Mitfahrerbänke eingeweiht. Bürgermeister Simon Landmann (CSU, vorn, 2.v.r.) ist sichtlich begeistert.

(Foto: Toni Heigl)

In Weichs setzt sich die Idee, Mitfahrerbänke aufzustellen, nicht durch. Bürgermeister Mundl fürchtet die Verantwortung

Von Sonja Siegmund, Weichs

In der Glonntal-Gemeinde Weichs wird es vorerst keine Mitfahrerbank für Bürger ohne eigenes Auto geben. Dadurch hätten ältere oder auch jüngere nichtmotorisierte Weichser leichter in die Nachbargemeinden und wieder zurück gelangen können. Nach längerer Diskussion stimmten die Räte indes aus verschiedenen Gründen gegen die Einführung einer Mitfahrerbank in Weichs.

In der Gemeinde Bergkirchen sind im Juni in mehreren Ortsteilen Mitfahrerbänke aufgestellt worden. Hierbei handelt es sich um eine mit ausklappbaren Schildern ausgestattete Sitzbank, die vorbeifahrenden Autofahrern anzeigt, welcher Ort oder Ortsteil angesteuert werden soll. So kann der Fahrer entscheiden, ohne anhalten und fragen zu müssen, ob das Ziel auf seiner Strecke liegt.

Nun hat auch eine Bürgerin aus Weichs bei der Gemeindeverwaltung einen Antrag für eine Mitfahrerbank gestellt. Sie begründet diesen Antrag damit, dass Menschen ohne eigenes Fahrzeug leichter in den nicht vom öffentlichen Personenverkehr abgedeckten Zeiträumen in die umliegenden Gemeinden Petershausen, Vierkirchen oder Markt Indersdorf und wieder zurück befördert werden könnten. Obwohl die Anbindung von Weichs durch die Einführung des Ruftaxis verbessert worden sei, gebe es nach wie vor Zeiträume, die von keinem Bus oder Ruftaxi abgedeckt werden, heißt es in dem Antrag. Dies betreffe speziell die Strecke zwischen Weichs und der S-Bahn-Station Vierkirchen.

Dem Antrag zufolge würden mindestens eine Bank in Weichs und eine in Ebersbach benötigt. Sinnvoll sei das Projekt nur dann, wenn die umliegenden Gemeinden ebenfalls eine oder mehrere dieser Bänke aufstellen, damit auch die Rückfahrt nach Weichs gesichert ist. Auf diese Weise könnten auch weniger mobile Mitbürger die medizinischen Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten in den Nachbargemeinden nutzen oder Kultur- und Freizeitangebote in München durch eine bessere Anbindung an die S-Bahn-Linien. Vorstellbar wäre zudem ein Sponsoring durch Werbung ortsansässiger Firmen, schreibt die Antragstellerin.

Die Gemeindeverwaltung hat bereits in den unmittelbaren Nachbargemeinden nachgefragt, ob sie sich vorstellen könnten, Mitfahrerbänke aufzustellen. Wegen der zahlreichen Ziele, die in diesen wesentlich größeren Orten zu erreichen sind und der daraus resultierenden höheren Anzahl an Bänken sei die Reaktion auf diese Nachfrage nur verhalten ausgefallen, erklärte Bürgermeister Harald Mundl (WBV). Auch in Weichs und Ebersbach müssten wegen der Hauptziele zu den Bahnhöfen, Arztpraxen und Supermärkten mehrere Mitfahrbänke installiert werden oder die vorhandenen Buswartehäuschen entsprechend ausgestattet werden.

In der Diskussion vor der Abstimmung verwies Bürgermeister Mundl zunächst auf das Gesamtverkehrskonzept des Landkreises, das die Behörden derzeit noch ausarbeiten. Im Übrigen lehnt Mundl es aus ganz persönlichen Gründen ab, fremde Menschen im Auto mitzunehmen. Als Bürgermeister, Ehemann und Familienvater möchte er nicht dafür verantwortlich sein, wenn irgend etwas passiert. Martin Hofmann (CSU) lobte die "Superidee", die aber nur funktionieren kann, wenn alle Gemeinden im Umkreis mitmachen. Herbert Rahn (Freie Wähler) befürchtet, dass ein Mitfahrer auch schon zwei Stunden auf dem Bankerl warten muss, bis jemand kommt, der ihn abholt.