bedeckt München 29°

Mitten in Röhrmoos:Der doppelte Reiter

Ein kleines Missgeschick bei der Fotoauswahl im Landkreis-Magazin "Kreisblick" offenbart einen ziemlichen Missstand in der Zusammensetzung der Bürgermeister im Landkreis

Kolumne von Thomas Balbierer

Nanu, werden sich dieser Tage einige Röhrmooser beim Blättern im Landkreis-Magazin Kreisblick gedacht haben, was ist denn mit unserem Bürgermeister passiert? Irgendwie hatte sich Dieter Kugler verändert, zumindest auf dem Porträtfoto, das das PR-Team des Landratsamtes auf einer Bürgermeister-Karte auf Seite 17 abgedruckt hatte: Etwas jünger sah er aus, trug einen pfiffigeren Haarschnitt, eine filigranere Brille und etwas Bart. Soll ja derzeit in sein - ob sich der Rathauschef einem Umstyling unterzogen hatte? Nein, nein, klärte das Landratsamt auf. Der Mann, unter dessen Bild Dieter Kugler stand, sei gar nicht Dieter Kugler, so die Behörde auf Facebook, sondern Michael Reiter, Bürgermeister aus Altomünster. Den Machern des Kreisblicks war ein Missgeschick unterlaufen: Sie hatten das Porträt des FWG-Politikers Reiter aus Versehen zweimal gezeigt. Peinlich, doch das Landratsamt reagierte souverän, gestand den Fehler ein und versuchte es mit Humor: "Die feindliche Übernahme des Bürgermeisterpostens in Röhrmoos ist gescheitert. Dieter Kugler ist nach wie vor der Bürgermeister", schrieb die Behörde auf Facebook. Dazu postete sie eine Fotomontage zweier kämpfender Ritter vor dem Röhrmooser Ortsschild. Online wurde das Malheur flugs behoben.

Nur, wie konnte das überhaupt passieren? Das Landratsamt verweist auf den durch Corona verursachten Zeitdruck. Wer sich die betroffene Seite aber etwas genauer ansieht, erkennt einen ganz anderen Missstand. Von den 17 abgebildeten Gemeindebürgermeistern sind nämlich genau 17 männlich, jeder von ihnen trägt Sakko und Hemd und fast alle haben dunkles Haar (oder gar keins). Kein Wunder, dass die Kreisblick-Redakteure da den Überblick verlieren. Die Kommunalpolitik im Dachauer Land ist fest in Männerhand. Dem Landkreis-Magazin gebührt deshalb Anerkennung, Aufmerksamkeit auf dieses wichtige gesellschaftliche Problem gelenkt zu haben - und das ganz unbeabsichtigt.

© SZ vom 03.07.2020
Zur SZ-Startseite