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Mitten in Röhrmoos:Arme Sau beim Zahnarzt

Wie sich ein Wildschwein verirrt, in einer Praxis landet und es zu einem spektakulären Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Jägern kommt

Wie viele Jäger braucht es, um eine randalierende Wildsau zur Strecke zu bringen? Die Antwort ist fünf. Zumindest wenn man die gestrigen Ereignisse in Röhrmoos als Maßstab anlegt. Es wird aus naheliegenden Gründen leider unklar bleiben, was das 50 bis 60 Kilogramm schwere Jungtier dazu veranlasste, den heimischen Wald zu verlassen und am helllichten Tag über die Felder in den Ortskern von Röhrmoos zu ziehen.

Ein Zahnarzttermin in der Bahnhofstraße könnte eine mögliche Erklärung sein. Pünktlich um 16 Uhr öffnete das Tier die Eingangstür einer dort ansässigen Zahnarztpraxis und begab sich in das Gebäude. Ob das Tier aus Unmut über die unzureichende Gesundheitsversorgung für Wildschweine oder wegen akuter Zahnschmerzen zu randalieren begann, ist nicht bekannt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die plötzliche Gefangenschaft im Treppenhaus - Wildschweine können Türen nur in eine Richtung öffnen - der Grund für einige zerbrochene Vasen und andere Einrichtungsgegenstände war. Patienten und Praxispersonal zeigten sich ob des ungewohnten Besuches erschrocken und verbarrikadierten die Tür. Auch andere Geschäfte in der Umgebung machten vorsichtshalber die Schotten dicht. Die Feuerwehr rückte an und sperrte die Bahnhofstraße, die Polizei rief flugs alle verfügbaren Jäger herbei. Ein insgesamt spektakulärer Großeinsatz, wie ihn Röhrmoos wohl nicht jeden Tag erlebt. Dem Star dieses filmreifen Spektakels dürfte die Entwicklung in den folgenden zwei Stunden weniger gefallen haben.

Während es für Außenstehende amüsant wirken mochte, wie die fünf Waidmänner ein Wildschwein die Treppen rauf und runter jagten, hatte die arme Sau weniger Spaß an der Verfolgungsjagd. Nachdem die Versuche, sie mit Schalbrettern in die Enge zu treiben und lebend zu fangen, missglückten, entschloss man sich zum Abschuss des Eindringlings. Dass das Ende des unglückseligen Röhrmooser Wildschweins sich in die bayerische Tradition des Umgangs mit "Problemtieren" einreiht, würden sicherlich nur böse Zungen behaupten.

© SZ vom 19.10.2017
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