Mitten in Karlsfeld Von wegen Frieden

Ausgerechnet der erst kürzlich eingeweihte "Global Peace Path" am Karlsfelder See ist Opfer blinder Zerstörungswut geworden

Kolumne von Walter Gierlich

Man kennt das ja: Warme Sommernächte verführen Menschen bisweilen zum Übermut. Da werden dann an lauschigen Flussufern oder in blühenden Parks Bänke zerlegt und Büsche ausgerissen, der Inhalt von Mülltonnen und Papierkörben über Wiesen verstreut und verkohlte Reste von Lagerfeuern in Sandkästen von Kinderspielplätzen hinterlassen. So etwas passiert natürlich immer wieder auch am Karlsfelder See, an dem jedoch seit diesem Sommer auf besonders eindringliche Weise zum friedlichem Umgang miteinander und zu Gewaltlosigkeit aufgerufen wird.

"Gemeinsam auf poetische Weise ein Zeichen für Frieden und Völkerverständigung setzen", so lautet nämlich das Motto, unter dem Studierende von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Geflüchtete aus Karlsfeld und der Landeshauptstadt hier im Erholungsgelände die erste Station eines "Global Peace Path" - eines Welt-Friedenspfads - errichtet haben. Ihre gemeinsam und in mehreren Sprachen erarbeiteten Gedichte sind auf Schildern zu lesen, die entlang des Rundwegs um den Karlsfelder See aufgestellt sind.

Doch offenbar gibt es trotzdem Menschen, die den poetischen "Visionen, Worten, Taten", so der Untertitel der Aktion, nicht den Respekt und die Anerkennung entgegenbringen, die sie verdienen. Sei es aus Dummheit, purer Zerstörungswut oder möglicherweise sogar aus politischen Gründen. Jedenfalls sind nach knapp vier Wochen mehrere der stark in der Erde befestigten Gedicht-Schilder mit offenbar immenser Gewaltanwendung aus dem Boden gerissen und zerschlagen worden. Andere stehen zwar noch, sind aber verbeult. Es ist traurig und erschütternd, wenn jemand offensichtlich nicht damit klar kommt, dass beispielsweise eine fünfköpfige Gruppe aus China, Senegal, Deutschland und den USA in ihrem Gedicht "Eine Welt ohne Krieg" zu dem Schluss kommt: "Die Zeit für den Wandel ist gekommen, in die Hand das Werkzeug des Friedens genommen. Vom alten Hass für immer befreit, steht eine Welt ohne Krieg bereit."