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Mitten in Karlsfeld:Urlaub im Gewerbegebiet

Im vergangenen Jahr waren die Hotels in der zweitgrößten Landkreisgemeinde ziemlich unterbelegt. Was macht man da? Man baut noch mehr Hotels, diesmal in landschaftlich besonders reizvoller Lage

Sicher, der Karlsfelder See hatte noch nie die Anziehungskraft des Gardasees, der Rasenplatz des TSV Karlsfeld war noch nie eine Allianz-Arena und das Karlsfelder Rathaus kann sicherlich auch nicht mit dem Florentiner Palazzo Vecchio mithalten.

Nun, Karlsfeld war eben noch nie das, was man landläufig einen Touristenmagneten nennen würde. Trotzdem könnte man meinen, dass die Nähe zu München den ein oder anderen Messegast in die Gemeinde lockt. Im vergangenen Jahr war das jedoch ganz anders. Es kam ein Viertel weniger Gäste in die südlichste Gemeinde des Landkreises, lediglich 25 Prozent der Karlsfelder Hotelbetten waren tatsächlich belegt. Man stelle sich nur einmal vor, Venedig würde auf einen Schlag von einem Viertel weniger Touristen fotografiert werden - ein Aufschrei ginge durch die Lagunenstadt, hörbar bis ins Tourismusministerium in Rom. In Karlsfeld dagegen: "Schulterzucken" im Gemeinderat, sagt der Wirtschaftsförderer des Orts, Peter Freis. Es hat den Anschein, als sei Karlsfeld gar nicht an den Einnahmen aus dem Tourismus interessiert, obwohl die Gemeinde sonst händeringend auf der Suche nach Geldquellen ist.

Doch nun gibt es einen Masterplan: Urlaub im Gewerbegebiet. Geht es nach dem Wirtschaftsförderer Peter Freis soll die Misere der Hotels mit - Achtung - mehr Hotels bekämpft werden: eines im Grünzug und eines am Prinzenpark West. Denn wer seine Gästezimmer füllen will, benötigt Hotels in "landschaftlich interessanter Umgebung", sagt Freis. Was für eine glänzende Idee! Man sollte ohnehin viel mehr Reisen in Gewerbegebiete anbieten. Man könnte mit dem meditativen Blick aus dem Hotelzimmer werben. Was beruhigt mehr, als der Blick auf dieses gleichmäßige Hallengrau eines Gewerbegebiet? "Zählen Sie keine Schafe mehr, zählen Sie ein- und ausparkende Autos": Die Werbeprospekte schreiben sich von ganz alleine. "Deutschlands schönste Gewerbehallen, eine Rundreise von Bottrop bis Karlsfeld". Oder: "Hallen im Grünzug - die ganze Pracht des Karlsfelder Gewerbes." Voraussetzung für dieses neue Konzept ist natürlich das Gewerbegebiet im Grünzug. Wer weiß schon, ob das wirklich kommt. Vielleicht sollte man das Tourismuskonzept besser noch einmal überdenken.