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Mitten in Karlsfeld:Stadt, Land, Bauausschuss

Ein Schild, das ein Landschaftsschutzgebiet ausweist, sorgt im Karlsfelder Bauausschuss für Verwirrrung.

Wer schon einmal eine Gemeinderats- oder Stadtratssitzung besucht hat, dürfte es bemerkt haben. Es kommt vor, dass der eine oder andere gewählte Bürgervertreter mit den Sachverhalten, über die diskutiert und letztlich entschieden wird, wenig oder gar nicht vertraut ist. Von solchen Kommunalpolitikern werden dann Fragen gestellt, deren Antwort sie längst wüssten, wenn sie die Sitzungsunterlagen gelesen hätten.

Es gibt natürlich auch andere, die sich nicht nur mit den Beschlussvorlagen bestens vertraut machen, sondern sich sogar die Örtlichkeiten anschauen, um die es in der jeweiligen Sitzung geht. Und dabei kann eine Gemeinderätin auch Erstaunliches herausfinden: Birgit Piroué von der Bündnis-Fraktion war vor der jüngsten Sitzung des Karlsfelder Bauausschusses eigens zur kleinen Splittersiedlung am Burgfrieden gefahren, die immer noch als Schwarzbau gilt und die jetzt mithilfe eines Bebauungsplans endlich nach Jahrzehnten legalisiert wird. Dabei entdeckte sie, dass am Ende der Siedlung ein Schild ein Landschaftsschutzgebiet ausweist. Sie entnahm dem Planentwurf zu ihrem Entsetzen jedoch auch, dass jenseits des Schildes ein Wendehammer an der schmalen Erschließungsstraße entstehen soll, damit unter anderem die Müllabfuhr dort in Zukunft problemlos umdrehen kann. Ein Straßenbauprojekt also mitten im Landschaftsschutzgebiet? Ein Unding für Piroué.

Doch vom Bauamt erhielt sie eine erstaunliche Erklärung: Die geschützte Natur beginne erst weiter entfernt auf Münchner Stadtgebiet, der Wendehammer liege aber noch auf Karlsfelder Flur. Das Schild befinde sich nur deshalb dort, weil es sich an der Stelle günstig habe aufstellen lassen, "wo es halt grad passt". Eine hochinteressante Begründung, ließe sie sich doch auch andernorts anwenden. Man könnte beispielsweise das Ortsschild der Landeshauptstadt an der Münchner Straße um 50 Meter über den Würmkanal in Richtung Karlsfeld verpflanzen, weil's halt auch grad passt. Dann müssten die Busbenutzer von der dortigen Haltestelle aus nur zwei statt vier Streifen nach Moosach und weiter in die Innenstadt stempeln.