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Mitten in Karlsfeld:Löschen nur mit Wasser

Die Freiwillige Feuerwehr Karlsfeld sucht händeringend nach Verstärkung. Weil Veranstaltungen derzeit nicht durchführbar sind, versuchen die Ehrenamtlichen mit Facebookposts, die aufhorchen lassen, auf sich aufmerksam zu machen

Glosse Von Jacqueline Lang

Ordentlich saufen" steht in großen, weißen Lettern auf türkisem Hintergrund. Soweit so verständlich, immerhin hat sich sicherlich auch der ein oder andere in den vergangenen Monaten mal gedacht, dass jetzt eigentlich nur noch Schnaps hilft. Aber huch: Den Post hat die Karlsfelder Freiwillige Feuerwehr veröffentlicht. Ob man sich Sorgen machen muss? Aber nein, dieses Mal ausnahmsweise nicht. Denn wie so oft hilft es, das Kleingedruckte zu lesen. Vollständig lautet der Slogan dann nämlich: "Die Einzigen, die bei uns ordentlich saufen, sind die Wassertanks unserer Löschfahrzeuge." Glück gehabt, noch eine schlechte Nachricht vermelden zu müssen, hätte man nämlich womöglich nicht mehr verkraftet und am Ende selbst ordentlich einen saufen müssen.

"Viele haben jetzt wahrscheinlich an ein altbekanntes Vorurteil gedacht", heißt es erklärend über dem geposteten Bild. Das bezieht sich wohl auf das Gerücht, dass Vereine, zu denen ja letztlich auch die Freiwilligen Feuerwehren zählen, nichts weiter sind, als Stammtische mit Vorständen. Ergo: Dass letztlich nur gesoffen und blöd daher geredet wird. Wer wissen wolle, was die Feuerwehrler wirklich mache, der könne sich einfach melden, heißt es weiter. Denn - und darum geht es natürlich eigentlich in diesem Post - die Karlsfelder Freiwillige Feuerwehr sucht händeringend nach Verstärkung. Was viele nämlich vielleicht nicht wissen: Trotz des enormen Bevölkerungszuwachses in den vergangenen Jahren hat Karlsfeld nach wie vor keine Berufsfeuerwehr, alle Einsatzkräfte sind nach wie vor Ehrenamtliche. Um neue Mitglieder anzuwerben, war zu Beginn des Jahres sogar eine Agentur mit einer Kampagne beauftragt worden. Doch dann kam Corona und machte es nahezu unmöglich, sich menschennah zu präsentieren. Bleiben also nur Plakate und Facebookposts mit Slogans, die aufhorchen lassen.

Wer Lust hat, sich ehrenamtlich zu engagieren und nicht bloß Bier trinken will, sollte dem Aufruf folgen, denn so viel ist klar: Nur weil derzeit eine Pandemie die Welt lahmlegt, heißt das nicht, dass nicht auch noch Häuser oder Wälder in Brand geraten können. Und spätestens dann dürfte man froh sein, wenn die Feuerwehr kompetent und ja, auch nüchtern, mit ihrem Löschzug anrückt.

Weiter Informationen unter www.staerkermitdir.de oder direkt via Whatsapp unter der Nummer 01520/315 54 93.

© SZ vom 09.11.2020
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