Süddeutsche Zeitung

Mitten in Karlsfeld:Karl wieder allein zu Haus

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So ein Bärenleben kann ganz schön anstrengend sein, besonders auf dem Karlsfelder Siedlerfest

Kolumne von Christiane Bracht

Puuhh! So ein Bärenleben kann ganz schön anstrengend sein. Gut, die großen braunen Tiere im Zoo sehen eher gelangweilt aus. Meist liegen sie müde im Schatten, machen ein Nickerchen oder warten auf Fressen. Teddybären sind dagegen schon ganz anders gefordert. Kinder zerren mit Vorliebe an ihren Ohren, legen sich auf sie oder noch schlimmer: Bei einem Wutanfall pfeffern sie ihren Liebling auch mal in die Ecke. Letzteres ist Teddy Karl bisher erspart geblieben. Aber dafür ist das zwei Meter große Maskottchen vom Karlsfelder Siedlerfest auch zu groß. Leicht waren die vergangenen zehn Tage für ihn aber trotzdem nicht - eher ein großes Abenteuer.

Mit Seppelhut auf dem Kopf, Lederhose und T-Shirt stand er die meiste Zeit im Mittelpunkt des Fests. Bussi links und Bussi rechts - die Leute stürzten sofort auf ihn zu, als sie den Teddy in seinem breiten Liegestuhl vor dem Zelt sitzen sahen. Hier ein Selfie, und noch eins mit Mass. In Ruhe sonnen konnte sich Karl nicht. Ganze Gruppen kuschelten sich in seine flauschigen Arme. Andere zerrten ihn begeistert in die Fotobox. Die Kinder wollten ihn unbedingt streicheln - auch wenn sie zumindest anfangs ein wenig eingeschüchtert waren. Manchmal blieb an ihm ein bisschen Ketchup kleben, mal pappte die Zuckerwatte fest - Bier und Hendl blieben auch auf seinem T-Shirt zurück. Gut, dass Karl eine beste Freundin hat: Julia Baehr. Die Wirtin spendierte ihm ein neues T-Shirt und nahm ihn auf Spaziergänge über den Festplatz mit.

"Oh, ist der lustig", quietschten die Mädels dann. Model Sophia posierte am Herzerlstand mit "Schee, dass di gibt". Die Schausteller ließen sich nicht lumpen, und so durfte der große Teddy im Kettenkarussell über allen Köpfen schweben und Autoscooter fahren. Sophia musste sich schon eng andrücken, so wenig Platz ließ er ihr im Wagerl. Seinen größten Auftritt hatte Karl jedoch am Dienstag: Julia schleppte ihn ins Zelt zu Mickie Krause mitten in die Menge und siehe da: Karl tanzte. "Reiß die Hütte ab", brüllte die Menge. Und jetzt wird die Hütte abgerissen. Die Party ist vorbei. Karl sitzt nun wieder allein herum.

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Quelle:
SZ vom 16.07.2019
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