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Mitten in Erdweg:O Tannenschmaus, o Tannenschmaus

Den Christbaum in der ersten Januarwoche zu entsorgen verschläft so mancher schnell einmal. Wie gut, dass es eine Lösung gibt, die Mensch und Ziege glücklich macht

Glosse von Jacqueline Lang

Eine Faustregel besagt, dass man seinen Christbaum - wenn man nicht mittlerweile ohnehin aus ökologischen Gründen ganz darauf verzichtet, einen mietet oder einen wiederverwendbaren aus Plastik oder Holz aufstellt - bis spätestens 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, entsorgt haben sollte. Was theoretisch absolut machbar klingt, hat praktisch so seine Tücken. Das fängt schon damit an, dass man dafür das Haus verlassen müsste. Wenn man den Baum auch noch ordnungsgemäß entsorgen will, reicht es nicht einmal, ihn auf den Bürgersteig vor der eigenen Haustür zu legen. Nein, dann muss man gar ins Auto steigen und ihn zu einem der Recyclinghöfe fahren - und dazu müsste man wiederum deren Öffnungszeiten recherchieren. Da bleibt man doch lieber auf der Couch und schaut noch eine Folge der Lieblingsserie, den Netflix-Tab hat man eh schon geöffnet. Die Entsorgung des Christbaums, das soll ein Problem des Zukunft-Ichs sein. Und so vergeht Tag um Tag, doch die Frage bleibt: Was tun, wenn der Christbaum auch in Kalenderwoche drei noch in der Ecke steht und mittlerweile einen ziemlich traurigen Anblick abgibt, weil er Nadel um Nadel verliert?

Tatsächlich gibt es eine Lösung, mit der man nicht nur dem eigenen Staubsauger, sondern auch ein paar drolligen Ziegen ein verspätetes Weihnachtsgeschenk machen kann. Die Wiederkäuer haben nämlich praktisch immer Hunger und wären dem ein oder anderen Tannenzweig gegenüber nicht abgeneigt. Das zumindest ist einem Aufruf in der Facebookgruppe "Dachauer Ratsch" zu entnehmen.

Dort steht dann auch, wo man seinen Christbaum hinbringen darf: nach Eisenhofen in die Untere Dorfstraße 9 nämlich. Das bedeutet zwar - je nachdem, wo man wohnt - einen kleinen oder größeren Ausflug mit dem Auto oder Lastenrad, aber ein Abstecher nach Erdweg ließe sich doch zum Beispiel super mit dem ohnehin überfälligen Wocheneinkauf verbinden, oder? Jedenfalls sollte man sich diese Chance, den Tannenbaum ein für alle mal loszuwerden und dabei noch ein paar Ziegen glücklich zu machen, nicht entgehen lassen. Wer nicht möchte, muss dafür nicht einmal die Jogginghose ausziehen, denn die Übergabe erfolgt coronakonform kontaktlos: Den Baum kann man einfach vor das große Tor legen. Gutes tun kann manchmal so einfach sein.

© SZ vom 12.01.2021
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