Mitten in der Region:Abnehmen auf Italienisch

Nach den Verständigungs­schwierigkeiten im Urlaub kommt jetzt endlich das Weihnachtsgeschenk von 2014 zum Einsatz: der Sprachenkalender

Glosse von Renate Winkler-Schlang

Italienisch lernen leicht gemacht. Ein Sprachenkalender, der täglichen Lernerfolg für 2015 versprach: Er lag 2014 unterm Christbaum. Wir haben ihn hinten im Regal wiederentdeckt und den Staub weggeblasen. Aus gutem Grund: In unserem wunderbaren Italien-Urlaub gerieten uns oftmals die oberflächlichsten Konversationen mit inländischen Campingplatz-Nachbarn so stockend, dass die Leute unwillkürlich ins Englische ausgewichen sind. Ins Englische! Wie peinlich! Wir waren doch einstmals so stolz auf unser Italienisch, erworben nicht nur bei der Münchner Volkshochschule, sondern als Studenten schon vorzugsweise im wahren Leben. Damals konnten wir uns italienische Tageszeitungen kaufen und in der Bar einen Cappuccino genießend zumindest ahnen, was drin stand. Tempi passati, kann man da nur sagen.

Nun also ist, was das Italienische betrifft, unser persönliches Neujahr: Wir haben die besten Vorsätze. Wenn wir jeden Tag nur eine einzige Vokabel behalten, hat sich in einem Jahr unser Wortschatz doch beträchtlich erweitert. So jedenfalls versuchen wir, uns zu motivieren. Il piacere è tutto mio. Angenehm, ganz meinerseits. Das erste Kapitel setzt ein wenig Grundwissen voraus. Frau Molteni wünscht Herrn Ghiselli ein schönes neues Jahr. Klar, ist ja ein Kalender. Auguri anche a Lei. Soweit kommen wir noch mit. Alles Gute auch für Sie. Gleich das erste Kalenderblatt hält acht Lernvokabeln bereit. Sieben sind der neuen Italienisch-Schülerin geläufig. Das ist doch schon mal was. Weiterblättern. In der Lektion für den 7. Januar teilt ein Luigi einer Carla mit, er werde abends nicht essen: Stasera non ceno. Er fühle sich gut, erfährt man da, habe aber beschlossen abzunehmen. Dimagrire, was für ein schönes Wort! Und wie brauchbar - gerade nach einem Italien-Urlaub. Denn wenn wir auch vieles vergessen hatten im Lauf der Jahre, Speisekarten zu lesen, ist uns stets bestens gelungen - von A wie Antipasti bis Z wie Zabaione. Da haben wir also gleich mit der Sprachlektion noch einen zweiten Vorsatz gefasst. Zumal wir für den nächsten Urlaub eigentlich schon ein neues Ziel auserkoren haben, nämlich Frankreich.

Übrigens: Wie heißen eigentlich Austern auf Französisch?

© SZ vom 19.07.2021
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