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Mitten in der Krise:Die Heimwerker nerven weiter

Bayerns Baumärkte sind geschlossen - beste Voraussetzungen für etwas Ruhe in der Nachbarschaft. Denkt man

Natürlich ist es nicht erheiternd, dass man mehr oder weniger zu Hause eingesperrt ist, nicht mehr ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen darf. Noch schlimmer, dass man auf Treffen mit Freunden und Verwandten ganz verzichten muss, stattdessen nur noch digital oder telefonisch mit ihnen in Kontakt bleiben kann. Doch andererseits hat es ja - zumindest, wenn man nicht gerade seinen Job verloren hat - auch sein Gutes, dass das Leben plötzlich heruntergefahren und abrupt entschleunigt ist. Kaum noch Autos unterwegs, die Lärm machen, von tieffliegenden Maschinen auf dem Weg zum Airport im Erdinger Moos ganz zu schweigen.

Und die bayerische Staatsregierung, sonst beileibe nicht eine Institution, der gerne Lob gezollt wird, zeigte mit ihren Maßnahmen auch ein Herz für ruhebedürftige Menschen. Solche, die entweder ihre Arbeit von zu Hause erledigen müssen oder die durch den erzwungenen Stillstand die notwendige Geduld und die Konzentration aufbringen, endlich den schon lange im Regal herumstehenden Tausend-Seiten-Roman zu lesen. Denn anders als im Rest Deutschlands schloss Söders Kabinett im Freistaat die Baumärkte, was bei dem genannten Personenkreis die Hoffnung weckte, den heimwerkenden Nachbarn die nervtötenden Gerätschaften - das schiefe Bild sei in diesem Falle entschuldigt - aus der Hand geschlagen zu haben.

Doch da haben die Stille suchenden Menschen die Rechnung ohne die passionierten Bastler in ihrer Nachbarschaft gemacht. Die brauchen keinen Baumarkt, die haben Bohrer und Schlagbohrer genauso daheim wie Motorsäge und Flex. Hochdruckreiniger, Rüttelplatten, Betonmischer und erstaunlicherweise Baumaterialien aller Art sind ebenfalls Bestandteile der heimischen Werkstatt. Komisch, sie wollen, wenn sie schon daheimbleiben müssen, nicht etwa die Wohnung weißeln, was nebenan niemand zu hören bekäme. Solch eine Kleinigkeit schafft der Do-it-yourself-Profi wohl auch zu normalen Zeiten an einem Wochenende, dafür braucht es keine Corona-Ferien. Diese Wochen kann er viel besser nutzen, etwa um eine neue Zufahrt zur Garage zu betonieren oder, warum nicht, ein Gartenhaus zu zimmern. Wenn das geschafft ist, bleibt locker noch Zeit zum Rasenmähen und Heckenschneiden. Grrrrrr!

© SZ vom 06.04.2020
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