Mitten in Dachau Wir und das Hallenbad

Die Hallenbad-Gegner im Dachauer Stadtrat könnten Unterstützung bekommen. Mit "Wir" stellt sich ein neuer Kritiker an den Startblock. Oder ist sich die neue politische Gruppierung darin intern vielleicht gar nicht einig?

Kolumne Von Viktoria Großmann

Nicht jeder Stadtrat schwimmt gern. Der Neubau für ein Hallenbad in Dachau hatte von Beginn an seine Gegner. Er könnte nun auch ein Thema im Kommunalwahlkampf werden, der einige schon in den Fingern juckt. Neben den Freien Wählern, Bürgern für Dachau und der FDP treten weitere Kritiker an den Startblock. In einem offenen Brief fordert Markus Witte, Mitglied der neuen politischen Vereinigung "Wir für Heimat, Werte, Zukunft" von Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) "eine uneingeschränkte Aufklärung der Bürger und Steuerzahler über die sich abzeichnenden horrenden Mehrkosten, neuen langwierige Bauzeiten und insbesondere schonungslose Aufklärung über die wahren Ursachen des drohenden Baudesasters" beim Hallenbad.

Die "bautypischen, oft konjunkturbedingten Schwierigkeiten" nämlich könnten die wahre Ursache nicht sein, findet Witte. Er wirft der Stadt und den Stadtwerken "schwerwiegende - wenn nicht fahrlässige - Versäumnisse" vor. Hartmann hat mehrmals die Schwierigkeiten am Bau erklärt - auch wenn Witte mangelnde Informationen beklagt. Etwa 20 Millionen Euro sollen Bad und Sauna kosten, im Herbst 2020 könnte es eröffnet werden. Anfangs hielt eine massive Lehmschicht die Bodenarbeiten auf, auch Probleme mit den Baufirmen gab es, oft sind offenbar schlicht keine zu bekommen. Erst in dieser Woche hatte der parteilose Stadtrat Wolfgang Moll, auf den die Initiative zur Gründung von "Wir" wesentlich zurückgeht, die Ausweitung der Öffnungszeiten gefordert und sich heftige Kritik vom Dachauer Schwimmverein eingehandelt, zu dessen Lasten das gehen könnte. Molls Antrag scheint im Widerspruch zu Wittes Brief zu stehen. Mehr Platz für alle wäre erst im neuen und größeren Hallenbad.

Man darf gespannt sein, was sich "Wir" noch so einfallen lässt. In einer rasch wachsenden Großen Kreisstadt mit bald 50 000 Einwohnern und einem gut ausgelasteten, aber maroden Hallenbad ausgerechnet gegen dessen Neubau zu wettern, klingt nicht mehrheitsfähig. Die aktiven Lokalpolitiker zu verdächtigen und ihre Arbeit platt in Frage zu stellen, erscheint als Strategie dürftig. Noch ist ja Zeit, sich echte Themen zu suchen. Dass auch die amtierenden Stadträte in einem Jahr gern ein möglichst weit fortgeschrittenes neues Hallenbad präsentieren möchten, steht wohl außer Frage.