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Mitten in Dachau:Was, bitte, wird hier gebaut?

Überall in der Altstadt wird gebaggert, gebohrt und gehämmert. Nicht immer ist klar, was dabei am Ende herauskommen soll

Fernmündliche Gespräche von einem zum anderen Ende der Dachauer Altstadt beginnen in diesem Frühsommer so: "Wie bitte? Wer ist dran? (im Hintergrund scheppert ein Baufahrzeug übers Kopfsteinpflaster) - Sind Sie es? (krachend rutscht Bauschutt durch eine Röhre) - Ich kann Sie ganz schlecht verstehen!" Beide Teilnehmer schließen nun ihre Fenster. Die Hintergrundgeräusche werden dumpf. Es folgt jeweils ein Zwischenstandsbericht über den Fortgang der nachbarlichen Bauarbeiten. Ja, die Grube wird immer größer. Nein, der Abriss hat noch nicht begonnen. Was danach gebaut wird?

Das wüsste man gern. Aber auch in unseren allzu öffentlichen Zeiten findet noch einiges im Verborgenen statt. Der Nachbar scheint Überraschungen zu lieben. Er hielt es jedenfalls nicht für nötig, langjährige Anlieger der Färbergasse und auch Kunden darüber zu informieren, dass es mit dem Lüften im Sommer schwierig werden könnte, es sei denn, man atmet gerne Ziegelstaub ein. Den Hinweis, dass man wegen Baufahrzeugen manchmal das eigene Haus kaum noch betreten oder verlassen wird können, ersparte er einem. Der Fortgang dieser Bauarbeiten ist so spannend wie das Wetter: Prognose ungewiss. Nicht einmal die Stadträte kennen sich aus. Erst auf Nachfrage erfahren sie im Bau- und Planungsausschuss am Dienstag, dass der Anbau des Café Glück abgerissen und neu gebaut wird. Auch der Dachstuhl wird erweitert - für Wohnungen. Sei alles mit dem Denkmalschutz abgesprochen. Aus Sicht des Bauamtsleiters ist das nicht "wesentlich" und auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), fand, das sei "eine ganz einfache Sache, mit der man Sie nicht belästigen muss". Nicht nur Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) sieht das anders. Alles, was innerhalb des sogenannten Burgfriedens liege, müsse im Ausschuss abgestimmt werden, sagt sie. So soll es in Zukunft wieder geschehen. Unwillkürlich fragt man sich, was sonst noch im Stillen genehmigt wurde. Spannend bleibt die Frage, wer in der Stadt als nächstes am Morgen neben einem Presslufthammer aufwacht.