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Mitten in Dachau:Wahlkampf mit Kruzifix

Die Pfarrei St. Peter wehrt sich gegen die Instrumentalisierung christlicher Symbole durch die AfD im Wahlkampf. Die Gläubigen erteilen einer Hetze gegen Muslime eine deutliche Absage

Es is a Kreiz mit denen von der AfD. Die Partei, die sich im Völkisch-Nationalen sauwohl streckt und rekelt, darin die eigentliche Heimat ausgemacht haben will, geht jetzt im bayerischen Landtagswahlkampf auch noch gegen die Kirchen vor, gegen Flüchtlinge, Migranten, vor allem diejenigen muslimischen Glaubensbekenntnisses, sowieso. Aber die Kirchen! In ihrem Wahlkampfprogramm hat die AfD sie - nein, kein Spaß - als eine "besondere Lobbygruppe" ausgemacht, mit der die Bayerische Staatsregierung "unverzüglich" ihre Staatsverträge aufkündigen solle. "Diese staatliche Unterstützung ist dem deutschen und insbesondere bayerischen Steuerzahler nicht länger zumutbar." Warum den Bayern Steuerabgaben mehr schmerzen sollen, als, sagen wir den Hessen, darüber wird nichts gesagt. Vielleicht hält die AfD den Bayern für knickriger, weniger aufs Gemeinwohl schauend.

"Die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses nach Artikel 4 GG ist unverletzlich", schreibt die AfD. Oha! Und deshalb klebt sie Plakate, auf denen neben der Abbildung eines Kruzifixes der Satz steht: "Christliche Werte bewahren! Der Islam gehört nicht zu Bayern". Nun hat sich die Pfarrei Sankt Peter in Dachau "gegen jede Instrumentalisierung christlicher Symbole und Werte zu Wahlkampfzwecken der AfD" verwahrt. "Das Christentum ist eine weltumspannende Religion, die Menschen aller Völker, Kulturen und Religionen gleichermaßen achtet. Die Würde eines jeden Menschen ist ein Fundament des Christentums (Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, Mk 12,30-31)", heißt es im Newsletter der Pfarrei. Da haben die Nationalbesoffenen im Heimatrausch etwas grundsätzlich missverstanden: dass die "besondere Lobbygruppe" doch keinen geringen Anteil an der Entwicklung der christlich-abendländischen Kultur hat.

Menschen, wie die Gläubigen der Pfarrei St. Peter, denen diese Wertegemeinschaft etwas bedeutet, schreiben deshalb der AfD ins Gästebuch: "Christliche Werte haben nichts mit Nationalismus zu tun." Das hat schon Kardinal Marx gesagt, dass Christ und Nationalist sein nicht zusammengeht. Und die "Äußerungen der AfD zur Migration und Menschen mit Behinderung lassen deutlich erkennen, dass ihre Überzeugungen nicht mit christlichen Werten vereinbar sind", meint die Pfarrei St. Peter.

Apropos religiöse Freiheit: Die AfD fordert ein Beschneidungs- oder Schächtverbot und plant weitere massive Anschläge auf die Kirchen, etwa soll das Kirchenasyl unterbunden und Kirchenasyl gewährende Verantwortliche "konsequent strafrechtlich" verfolgt werden. Die Dachauer wollen ihre Pfarrer doch lieber auf der Kanzel und nicht auf der Anklagebank im Amtsgericht sehen. Auf den bald beginnenden Interkulturellen Wochen kann man zum Beispiel sehen, dass Muslime zu Dachau gehören. Nur eine derart krude Weltsicht wie die der AfD findet man dort nicht, die vermisst aber auch keiner.

© SZ vom 26.09.2018
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