Mitten in Dachau:"Mia lossn uns nix voaschreim"

Mitten in Dachau: Am Ignaz-Taschner-Gymnasium reden die Schüler, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und das ist gut so, findet der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Schrodi.

Am Ignaz-Taschner-Gymnasium reden die Schüler, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und das ist gut so, findet der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Schrodi.

(Foto: Toni Heigl)

Auf deutschen Schulhöfen soll deutsch gesprochen werden, fordert der CDU-Generalsekretär. Widerspruch kommt vom Dachauer SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi. Schließlich liegt sein Wahlkreis in Bayern.

Glosse von Astrid Samhuber

Es gab eine Zeit, da hatte Dachau den Beinamen Chaos-City. Der Moderator eines lokalen Radiosenders hatte die Stadt dazu ernannt, nachdem eine Zeitlang immer wieder kuriose Verkehrsmeldungen zu Dachau und Umgebung durch den Äther gegangen waren. Heutzutage denkt man beim Begriff Chaos-City eher an Berlin. Chaotische Zustände wie dort zu Silvester sind in Dachau wohl kaum zu erwarten. Oder doch?

Auch hier erhebt sich allerdings Widerstand gegen die Forderung von CDU-Generalsekretär Mario Czaja, dass auf deutschen Schulhöfen ausschließlich Deutsch gesprochen werden sollte. Hätten die Ausschreitungen in der Hauptstadt dadurch vielleicht verhindert werden können? Schüler und Schülerinnen im ganzen Land fühlen sich nun verunsichert, denn "Reden nach der Schrift" ist nicht jedermanns Sache. Da fällt Mandy in Leipzig vor Schreck die Bemme aus der Hand und Xaver in Landshut bleibt die Wurschtsemme im Hals stecken: Wie sollen sie sich künftig auf dem Pausenhof unterhalten, ohne als potentiell kriminell zu gelten?

Michael Schrodi, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck, liefert via Twitter eine klare Antwort: "Mia lossn uns doch ned vo dem Hanswurscht voaschreim, doss mia deitsch redn soin. Wo samma denn!?!" Nun ja, das bayerische Volk ist bekanntlich nicht so einfach zu integrieren. Mia san schließlich mia.

Sind von diesen Integrationsverweigerern also die nächsten Krawalle zu erwarten? Oder wollte Schrodi einfach nur deutlich machen, welchen Schmarrn der CDU-Generalsekretär da eigentlich gefordert hat? Berlin steht kurz vor der Wahlwiederholung. Im Kampf um die Gunst der Wähler kann man da schon mal übers Ziel hinausschießen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man dafür auf jeden Zug aufspringen muss, wer samma denn!

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