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Mitten in Dachau:Saisonarbeiter im Rathaus

Dachaus beliebteste Grünanlagenpfleger sind zurück. Doch werden sie für ihre mühevolle Arbeit auch entsprechend entlohnt?

Wie viel Mühe, wie viel Ärger hat der Stellenaufbau im Rathaus verursacht. Stadträte zerstritten sich über dem Haushaltsentwurf, wollten sich nicht mal mehr einen Lebkuchen teilen, keine Einigkeit beim Glühwein finden. Mit zusammengekniffenen Augen wurden schließlich die Stellen für ein neues Amt genehmigt. Mitte September nimmt die umgebaute Verwaltung ihre Arbeit auf und was sieht der Dachauer Steuerzahler? Statt vier neuen Angestellten sind es 13. Ohne Debatte, ohne Mitteilung im Stadtmagazin wurden Probearbeitsverträge vom vergangenen Jahr verlängert. Neun Mitarbeiter haben in der Nacht auf Samstag schon ihren Dienst in der Abteilung Stadtgrün angetreten.

Die Arbeit der neun Grünpflegeexperten hat sich offenbar bewährt. "Es gibt seither viel weniger Verletzungen", teilt Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis) mit. Denn das Gelände, um das sich die Fachleute kümmern müssen, ist abschüssig, die Arbeit dort "sehr mühsam und gefährlich", erklärt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Die neuen Rathausmitarbeiter haben aber "mit diesem Gelände überhaupt kein Problem". So betrachtet, tätigt die Stadt offenbar eine sinnvolle Investition. Stünde es aber gerade einer sozialdemokratisch angeführten Kommune nicht gut an, Leistung mit festen Verträgen angemessen zu entlohnen? Für "rund sechs Wochen helfen sie mit, Sträucher und Bäume kurz zu halten". Gewerkschafter wittern eine Umgehung des Mindestlohns. Zumal die Stadt offenbar jegliche Betreuung der Saisonarbeiter ebenfalls auslagert. Jeden Tag kommt "ein Landwirt aus Gröbenzell" und "stellt sicher, dass es an nichts fehlt".

Das klingt arbeitsrechtlich fragwürdig. Die Grünpfleger selbst haben sich bisher dazu nicht geäußert, ihr aktuelles Profilbild auf Facebook zeigt sie noch Cocktail trinkend am Strand. Im Herbst vergangenen Jahres hatten sie sich grußlos zurück in ihre Heimat verabschiedet, man erfuhr wenig darüber, wie es ihnen dort geht. Unklar ist, ob der Arbeitgeber ihren Facebook-Auftritt überwacht oder gar zensiert. Völlig klar ist hingegen, welches Thema auf die Stadtratsagenda im politischen Herbst gehört: die neun Ziegen am Dachauer Rathausberg.