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Mitten in Dachau:Klebrig-süßer Goldstandard

Das Geld ist faul geworden, es arbeitet nicht mehr für einen. Besser wäre es da doch, man würde in Honig investieren

Von Gregor Schiegl

Als es noch die D-Mark gab, war das Geld wenigstens noch zu etwas nütze: Es hat gearbeitet. Dazu brauchte man nur eine richtige Bank. Wenn man es dort eine Zeit lang in Ruhe werkeln ließ, hat es sich auf mysteriöse Weise vermehrt. Der Euro aber ist ein fauler Hund, er lässt sich aushalten, döst Tag und Nacht auf dem Girokonto, für das die sogenannten Geldinstitute auch noch eine Art Betreuungsgebühr erheben, weil der Euro sich zu fein ist, auch nur eine Pfote krumm zu machen. Nicht mal die Banken machen mit dem Geld noch Zaster.

Die Rettung suchen Investoren daher im Betongold, aus dem man Vorstadtsiedlungen und Bürogebäude gießt - oder im sagenumwobenen Bitcoin. Die wahre Cashcow aber ist die Biene. Die jüngsten Pressemitteilungen der Volksbank Raiffeisenbank Dachau legen jedenfalls nahe, dass sie in Sachen Wertschöpfung sich bereits jetzt den betriebsinternen Titel "Mitarbeiterin des Monats" redlich verdient hat. So erreicht die Redaktion die Nachricht, der Mosaik-Kindergarten in Petershausen habe 150 Euro von der Volksbank erhalten, der Musikverein Fahrenzhausen sogar 300 Euro. Das Geld stammt aus dem Verkauf des "VR-Honigs".

Wenn man nachrechnet, wie viel Geld man anlegen müsste, um bei einem Zinssatz von 0,0 Prozent 450 Euro rauszubekommen, kann einem schwindelig werden. Dabei sammelt so ein summendes Arbeitstierchen in seinem ganzen Leben eigentlich nur ein Löffelchen voll, ehe es selbiges abgibt. Summa summarum beschäftigt die Dachauer Bienenvolksbank neben ihrer Hauptstelle in sechs Stöcken allerdings 240 000 Angestellte. Ihr Geschäftsfeld: eine Blühwiese. Zu erwerben ist der klebrig-süße Goldstandard übrigens in den Geschäftsstellen der Bank.

© SZ vom 15.04.2021
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