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Mitten in Dachau:Keine Angst, ist bloß Heuschnupfen

Man wird ja wohl noch niesen dürfen...oder?

Glosse von Katja Gerland

Es fängt mit einem Kitzeln in der Nase an, das sich langsam steigert und plötzlich in einem lauten "Hatschi" entlädt. Wer von Heuschnupfen geplagt ist, muss sich spätestens nach diesem frühlingshaften Wochenende wieder mit den kleinen aber lauten Explosionen, auch Niesen genannt, anfreunden. Das wäre in einem normalen Jahr schon lästig genug. Schließlich fragt sich so manch einer mit geschwollenen Augen und gereizten Nasenschleimhäuten, mit welcher Übeltat in einem früheren Leben man sich dieses Allergiker-Schicksal verdient hätte.

Doch in einer Pandemie ist der Heuschnupfen schon längst nicht mehr nur ein Störfaktor für den Allergiker selbst. Wer sein Niesen nicht mehr zurückhalten kann, hat nun auch schnell die Augen aller Personen im Umfeld auf sich - und deren Blicke sprechen Bände: Schleppt der Niesende eine Corona-Infektion mit sich rum? Fliegen die gefürchteten Aerosole trotz Maske und Abstand bis zu mir? Und sind die geröteten Augen des Gegenüber womöglich etwa das Symptom einer neuen Virusmutation?

Wie kann man sich als Pollenallergiker in dieser frühlingshaften Phase der Pandemie vor schockierten Reaktionen der Mitmenschen schützen? Eine Möglichkeit wäre, den sowieso nötigen, aber oft sehr blanken Mund-Nasen-Schutz als Werbebanner für seine eigene Gesundheit umzufunktionieren. "Keine Panik, ich habe nur Heuschnupfen", könnte dann die Masken der Allergiker zieren.

Alternativ gibt es die Möglichkeit, sich möglichst von Orten fernzuhalten, an denen besonders viele Pollen in der Luft umherschwirren. Im Landkreis Dachau gleicht das allerdings einem regelrechten Ausweichmanöver. Denn nicht nur naturbelassene Orte wie die Dachauer Mooslandschaft oder die Karlsfelder Birkenallee sind zu dieser Zeit mit dem Staub von Erlen und Birken bedeckt. Auch inmitten der Dachauer Altstadt verteilt die Silberlinde am Widerstandsplatz bald munter ihre Pollen. Alle Landkreisbewohner, die von Heuschnupfen geplagt sind, können wohl daher auch in diesem Jahr nicht ganz auf die unangenehme Nieserei verzichten, außer vielleicht es regnet, so wie für die kommenden Tage angekündigt. Grundsätzlich hilft aber eigentlich nur eins: Nase zu und durch!

© SZ vom 12.05.2021
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