Mitten in Dachau Horror vacui

Für die einen sind Clowns der Horror, für einige, besonders für Politiker, wäre es eine Horrorvorstellung, mal etwas unkommentiert stehen zu lassen

Von Benjamin Emonts

Fratzen von blutrünstigen Kettensägen-Mördern und grauenerregende Clowns waren in den vergangenen Wochen allgegenwärtig an Zäunen und auf Litfaßsäulen der Stadt Dachau. Die Höllenschlucht, in der die fiesen Gestalten ihren Horror verbreiteten, war ein Zelt in der Alten Römer Straße. Der österreichische "Horror Circus" ängstigte Eltern, weil sie befürchteten, ihre Kinder könnten vom bloßen Anblick der Plakate eine anhaltende Psychose davontragen - etwa eine Coulrophobie, eine krankhafte Angst vor Clowns.

Allerdings befiel der Horror vor allem Erwachsene. Prominentes Beispiel sind der ansonsten als friedfertig geltende Hebertshausener Bürgermeister Richard Reischl (CSU) und der zuweilen grimmige wirkende Zweite Bürgermeister der Stadt Dachau, Kai Kühnel (Bündnis für Dachau). Beide fauchten sich im Sog der Diskussionen über den "Horror Circus" im sozialen Netzwerk Facebook an. Kühnel kommentierte die Plakate: "Meines Erachtens ist der Punkt nicht, was sie plakatieren, sondern: Dass sie plakatieren. Die Plakataktion ist, so viel ich weiß, nicht genehmigt."

Bürgermeister Reischl konterte: "Lieber Kai, ist dein Post Ernst gemeint? Vielleicht hast ja Kontakte zur Stadtspitze, um zu veranlassen, diese Plakate entfernen zu lassen. Bin gerade erstaunt, dass der Zweite Bürgermeister hier Fragen an die Stadt hat und sie nicht beantwortet." Kai Kühnel reagierte geradezu dämonisiert: "Parteipolitik. Komm mal aus Deinem CSU-Modus raus."

Anscheinend löst Facebook einen Horror-vacui-Effekt zur zwanghaften Kommentierung aus, weil man dieses Forum in einer eventuell sprachlosen Leere nicht aushält. Die Zirkusvariante des Dead-Man-Walking-Horrors, das sollte beruhigen, hatte am Sonntagabend mit der letzten Vorstellung ein Ende. Facebook bleibt.