bedeckt München 30°

Mitten in Dachau:Herausforderung angenommen

Eine Waschmaschine transportiere man nicht mit dem Rad, behauptet die bayerische Verkehrsministerin. Einige Radl-Enthusiasten in Dachau sind da anderer Meinung. Und zeigen, wie es geht

Kolumne von Viktoria Hausmann

Wer schon mal eine Waschmaschine über mehrere Treppen in eine Wohnung gewuchtet hat, weiß, dass die Dinger nicht gerade leicht und handlich sind. Daran hat sich wahrscheinlich auch die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) erinnert, als sie sagte: "Wenn ich in der Innenstadt eine Waschmaschine kaufen will, werde ich die nicht mit dem Fahrrad transportieren." Das dürften viele ähnlich sehen. Was soll man auch machen? Waschmaschinen können ja leider nicht fliegen. Gehen auch nicht. Obwohl sie immer wieder intensiv hin und her ruckeln, wenn sie in Betrieb sind und in manchen lustigen Internetvideos sogar davon hüpfen und sich überschlagen.

Sogar in festverbauten Zustand - also quasi in ihrem natürlichen Lebensraum - wollen sie ständig gepflegt, entkalkt und nicht überladen werden. So einen sensiblen, eckigen, weißen Riesen kann man doch nicht ernsthaft Zugluft und das Festschnallen auf einem wackligen Fahrrad zumuten. Bleibt eben doch nur das Auto, sagt der eigene innere Schweinehund und zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Doch der hat seine Rechnung offenbar ohne den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Dachau (ADFC) gemacht. Der bietet nämlich zwei Lastenräder zum Leihen an und das komplett umsonst; das Ganze nennt sich Lasdah. Mit dem kleinen Lastenrad kann man 135 Kilo durch die Stadt fahren. Also inklusive der Person, die strampelt. Das Große schafft stolze 180 Kilo. Damit kann man also sehr wohl eine Waschmaschine transportieren, ja sogar zwei. Zum Beweis, postete Lasdah-Gründer Oliver van Meerendonk gleich mehrere Beweisfotos auf Facebook und Instagram unter dem Hashtag #ChallengeAccepted. Herausforderung angenommen. So gerüstet haben übrigens schon mehrere Familien in Dachau den Umzug geschafft, erzählt ADFC-Vorsitzende Monika Zott. Auch wenn man da natürlich öfter fahren muss, als mit dem Auto. Immerhin spart man so neben CO₂ auch Benzin, und der Sport ist auch gleich erledigt. Nur so als Tipp für alle, die noch ihren inneren Schweinehund überzeugen müssen.

© SZ vom 19.05.2021
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB