Mitten in Dachau:Ist das Kunst oder kann das weg?

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Mitten in Dachau: Misstrauen am Mühlbach: Dort fragt sich ein Unbekannter, warum die Uferfläche schon seit rund zwei Jahren durch einen Bauzaun abgesperrt ist.

Misstrauen am Mühlbach: Dort fragt sich ein Unbekannter, warum die Uferfläche schon seit rund zwei Jahren durch einen Bauzaun abgesperrt ist.

(Foto: Toni Heigl)

Seit rund zwei Jahren sperrt ein Bauzaun eine Uferfläche entlang des Mühlbachs ab. Ein Unbekannter hat dazu eine Frage.

Glosse von Anna Schwarz, Dachau

Kunst zu erkennen, ist nicht immer einfach. Das zeigt der Fall um Joseph Beuys "Badewanne" - ein Klassiker unter den weggeputzten Kunstwerken: So reinigten zwei Frauen 1973 bei einer Feier des SPD-Ortsvereins Leverkusen-Alkenrath eine von Beuys mit Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne für Babys - um darin Gläser zu spülen. Ein ähnlicher Fall sorgte 2011 im Dortmunder Museum für Aufsehen: Dort säuberte eine Putzfrau ebenfalls eine Gummiwanne, leider gehörte der schmutzige Trog zu einer Installation des Künstlers Martin Kippenberger - es entstand ein Schaden in Höhe von 800 000 Euro.

Auch entlang des Dachauer Amperwegs zwischen Brunngartenstraße und Wasserkraftwerk stellte sich ein Unbekannter kürzlich die Frage: "Ist das Kunst - oder kann das dann auch mal wieder weg?" Das Plakat aus Karton ist mit Kabelbinder an einen Bauzaun geheftet, der eine kleine Uferfläche entlang des Mühlbachs absperrt. Was der Zaun genau schützen soll, ist durch das Gitter nicht auszumachen - viel Bodengestrüpp und einige Bäume, im Winter Laub und Schnee, daneben fließt der Mühlbach. Warum ist die Uferfläche also abgesperrt? Handelt es sich um eine Nistfläche, ein Versuchsbiotop? Oder doch ein verstecktes Kunstwerk, um die Flora und Fauna entlang des Mühlbachs mithilfe des Bauzauns abzugrenzen und ins rechte Licht zu rücken? Radler und Spaziergänger bleiben im Ungewissen, eine Infotafel fehlt.

Ein Anruf bei der Stadt bringt Klarheit. Nein, Kunst ist das nicht. Laut Stadtbauamt steht der Bauzaun dort schon seit sage und schreibe circa zwei Jahren, denn: "Der Uferbereich des Mühlbachs zwischen Kraftwerk und Ende der Brunngartenstraße ist sanierungsbedürftig", sagt Stadtbaumeister Moritz Reinhold. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, wurde der Bauzaun angebracht. Denn die Mauern im Boden, die den Mühlbach halten, müssen ausgetauscht werden. Dafür muss sogar zeitweise das Wasser abgesenkt werden. Wann das passiert, sei noch nicht klar, zuständig seien die Stadtwerke.

Laut Wikipedia ist ein Bauzaun "eine temporäre Umgrenzung, Absperrung oder Absicherung eines beliebigen Ortes". Die Frage ob "das dann auch mal wieder weg" kann, wenn es keine Kunst ist, ist also nach gut zwei Jahren mehr als berechtigt.

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