Mitten in Dachau Fit halten mit Anträgen

Die SPD wünscht sich für die Dachauer öffentliche "Trainingslandschaften". Möglich, dass die Stadträte schon bei der Beratung darüber ins Schwitzen kommen - solche Anlagen kosten schließlich eine Menge Geld

Kolumne Von Viktoria Großmann

Der Januar ist der schrecklichste Monat überhaupt. Ein kollektiver Kater. Das Wetter ist Mist, das Fernsehprogramm entbehrlich. Es ist zu dunkel, es ist zu kalt, der Pullover kratzt, der Hals auch, und mit oder ohne Mandelentzündung wäre es das Beste, einfach zu Hause zu bleiben und überhaupt nichts zu tun. Ein globaler Monat des Nichtstuns. Wahrscheinlich würde das mehr zur seelischen Gesundheit der Allgemeinheit und zum Weltfrieden beitragen, als mit frostigem Händedruck unter bleigrauem Himmel besiegelte Freundschaftsverträge.

Hartnäckig hält sich aber die Idee, dass der Januar, nur weil er das Pech hat, der erste zu sein, auch der allgemeine Monat der Erneuerung und der frischen Ideen sein muss. An der Anträgeflut der Stadtratsfraktionen lässt sich ablesen, wozu man sich im Dezember auf den Jahresendversammlungen verabredet hat. Wann welcher Antrag zu lancieren ist und in welchen zeitlichen Abständen. Nur die Grünen scheinen zu glauben, dass sie solche Strategien nicht nötig haben und dass auch ein Anruf in der Stadtverwaltung reicht, um Probleme zu lösen. Nicht mal einen klitzekleinen Personalwechsel haben sie auf der Pfanne. Berühmt wird man damit nicht.

Eine der kreativsten Antragstellerinnen im Dachauer Stadtrat ist neben den Freien Wählern und dem Bündnis zweifellos die SPD. Weg mit den Polypropylen-Plakaten, her mit einem Armbadbecken an der Kneippanlage und einem "Schnuppertag" für die Dachauer Buslinien. Nun outet sich die Fraktion als Calisthenics-Fan. Laut der Fachzeitschrift Fit for Fun handelt es sich um Training unter Einsatz des eigenen Körpergewichts. Könnte man auch daheim im Wohnzimmer ausüben, besonders im Januar. Die SPD, aus Verzweiflung optimistisch, weiß, es kommen auch schönere Monate. Dann sollen die Dachauer "Trainingslandschaften" wie in München am Korbiniansplatz in Milbertshofen erfreuen. Bekanntlich einer der innovativsten Stadtteile der ansonsten recht hübschen Landeshauptstadt. Zehn mal 15 Meter, mehr Platz braucht es nicht. Der Bolzplatz an der Schinderkreppe, der Skaterpark in Dachau Ost und die Postwiese wären gute Orte für solche öffentlichen Trainingsflächen für alle, die in keinem Sportverein sind, finden die Sozialdemokraten. Ein paar Geräte bräuchte es dann doch, das könnte insgesamt für zwei Plätze 50 000 Euro kosten. Wenn die Stadträte bei der Beratung darüber mal nicht ins Schwitzen geraten.