bedeckt München
vgwortpixel

Mitten in Dachau:Besonderes Pflaster

Wer dachte, das Schloss sei das Beste an der Dachauer Altstadt, sollte sich mal mit jugendlichen Mountainbike-Fahrern unterhalten. Deren Lieblingsplatz hat 96 Stufen

Das Dachauer Pflaster ist ein ganz besonderes. Das weiß das Stadtbauamt, das die schöne Aufgabe hat, den historischen Belag in Einklang mit Barrierefreiheit zu bringen. Das weiß die CSU, die ein gesteigertes Interesse daran hat, dass die Wählerschaft rutschfrei ins Parteibüro in der Altstadt gelangen kann und sich daher erfolgreich für sogenannte Laufstreifen aus gewissermaßen glatt geschliffenen Pflastersteinen einsetzt. Und das weiß jeder, der mal versucht hat, mit etwas anderem als Turnschuhen über die Buckelpiste zu laufen.

Eine besondere Erfahrung mit der Beschaffenheit der Dachauer Straßen machte kürzlich ein Autofahrer, oder möglicherweise eine Autofahrerin, der oder die ihr Auto auf etwas ungewöhnliche Weise am Karlsberg parkten. Auf dem Foto, das durchs Internet geisterte, ist ein Kleinwagen zu sehen, der mit der Hinterachse über dem Ablaufkanal unterhalb der Altstadtmauer hängt. Als hätte jemand versucht, den Wagen quer einzuparken - oder gar zu wenden. Es muss sich um Touristen gehandelt haben. Jeder Dachauer weiß: Hier geht es nur bergab.

Die Teilnehmer des Radrennens Bergkriterium schätzen die holprigen Berg- und Talfahrten Dachaus. Fühlt sich an wie ein alpiner Steig, hat aber Altstadtkulisse. Vor ein paar Tagen versammelte sich am oberen Ende der Martin-Huber-Treppe eine Gruppe junger Menschen mit Mountainbike. Für einen Moment hielt man sie für eine verirrte Reisegruppe auf der Suche nach einem Ausweg aus der Altstadt. Da stürzte sich der erste behelmte Fahrer die Treppe hinab. Dann der nächste. Nacheinander rasselte auf diese Weise ungefähr ein Dutzend junger Menschen die 96 Stufen hinunter. Jeweils unter dem Jubel der Wartenden. Wozu hat die Stadt eigentlich in Skateranlagen investiert?

© SZ vom 24.09.2018
Zur SZ-Startseite