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Mitten im Thema Bahn:Konzern mit Konfliktpotenzial

Wenn Kommunen mit der Bahn verhandeln müssen, ist das oft ein schwieriges Geschäft für sie. Früher galt das staatliche Unternehmen als Aushängeschild

In Karlsfeld wünschen sich SPD und auch die Grünen bessere Radlständer am Bahnhof und die Fahrgäste endlich wieder einen Verkaufsstand und eine Toilette. Die Menschen entlang der S-2-Linie nach Altomünster hätten gerne einen durchgehenden 20-Minuten-Takt. Und die Petershausener sehnen seit Jahren eine Lösung herbei, damit ihr gesamter Ort nicht noch länger ein gigantischer Park-and-Ride-Platz bleibt. Von den S-Bahn-Pendlern ganz zu schweigen, die in diesem Winter wieder einmal arg mit den Unzulänglichkeiten des Verkehrsmittels zu kämpfen hatten.

Nun klagt also auch noch die Stadt Dachau über die Deutsche Bahn: Sie ist unzufrieden mit dem Unternehmen und streitet mit ihm über den Umbau des Bahnhofsgeländes. Soll die Station eine Plattform zur bequemen und problemlosen Nutzung des ÖPNV werden, wie es die Stadt will, oder eine Einkaufsmeile, aus der die DB AG kräftigen Profit ziehen möchte? Wie das dann aussehen könnte, kann man beispielsweise am riesigen Berliner Hauptbahnhof sehen, der einer Shopping Mall mit Schienenanschluss gleicht, in der es ein Leichtes ist, sich komplett neu einzukleiden, wo man sich aber schwertut, einen Informations- oder Fahrkartenschalter zu finden.

Vielleicht hat das Dachauer Rathaus ja nur nicht die richtigen Verhandlungspartner in dem unübersichtlichen Konzern mit seinen 20 Tochterunternehmen ausgemacht. Schließlich könnten für das Dachauer Bahnhofsprojekt beispielsweise die DB Netz AG, die DB Regio AG, die DB Services GmbH, die DB Service&Station AG oder gar die für den Fahrkartenverkauf verantwortliche DB Vertrieb GmbH zuständig sein. Oder alle zusammen?

Geradezu nostalgische Gefühle überkommen einen da, denkt man angesichts dieses privatrechtlich aufgesplitterten Firmenkonglomerats zurück an die viel gescholtene alte Beamtenbahn, als deutsche Züge weltweit ein Symbol für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit waren und auch Strecken bedient wurden, auf denen heute mangels ausreichender Rendite längst Gras zwischen den Schienen wächst. Und ältere Karlsfelder erinnern sich bestimmt an die Anfangszeit der S-Bahn in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: Damals gab es zwar nur den 40-Minuten-Takt, aber eine Toilette und gleich zwei Kioske am Bahnhof.

© SZ vom 23.03.2018

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