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Mit sechs Jahren begonnen:In der ganzen Welt am Ball

Tischtennis 2. Bundesliga

"Das ist ein Kraftsport, man muss immer fit sein, auch im Kopf", sagt Laura Tiefenbrunner vom TSV Schwabhausen über Tischtennis.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Laura Tiefenbrunner, 17, gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten im deutschen Tischtennis. Für den TSV Schwabhausen spielt sie bald in der ersten Liga. Trotz der steilen Karriere bleibt sie am Boden

Ein verregneter Morgen am Münchner Flughafen, Terminal Zwei. In zwei Stunden wird Laura Tiefenbrunner nach Polen, genauer nach Danzig, fliegen. Die International Table Tennis Federation (ITTF), also der Dachverband aller nationalen Sportverbände für Tischtennis, hat nach Władysławowo eingeladen. In der Kleinstadt an der polnischen Ostseeküste wird Tiefenbrunner mit der deutschen Tischtennis-Jugendnationalmannschaft bei den Polish Open vier Tage lang um den Titel mitspielen.

Um so weit zu kommen, hat Tiefenbrunner früh mit dem Training angefangen. Im Alter von sechs Jahren hielt sie das erste Mal einen Tischtennisschläger in der Hand, auch dank ihrem Bruder. "Er spielte im Verein, und da ich ihm immer alles nachgemacht habe, stand ich bald selber in der Halle", erzählt Tiefenbrunner und lacht.

Fragt man sie nach ihrer bisherigen Karriere, klingt Laura Tiefenbrunner bescheiden, gar ein wenig schüchtern. Dabei blickt die Sportlerin mit ihren 17 Jahren bereits auf große Erfolge zurück: Platz zwei beim Top-12-Ranglistenturnier der Schülerinnen 2015, die Teilnahme am Bundesranglistenfinale der Frauen 2016 oder der Viertelfinaleinzug beim Bundesranglistenturnier der Frauen 2018. Die Liste ihrer Erfolge ließe sich weit fortsetzen. Auch im Team fährt Tiefenbrunner bei internationalen Turnieren jedes Mal Medaillen ein. Besonders stolz ist sie jedoch auf ihren dritten Platz bei den "Spanish Junior Open", den die 17-Jährige vor ein paar Wochen in Platja d'Aro einfahren konnte.

Von 2009 bis 2018 blieb sie bei ihrem Heimatverein, dem SV-DJK Kolbermoor im Landkreis Rosenheim. Dieser war es auch, bei dem Tiefenbrunner ihre Bundesligapremiere bei den Frauen feierte. Das war Anfang 2017, die Sportlerin war gerade 15 Jahre alt geworden. Schon früh kristallisierte sich heraus, dass Tiefenbrunner besser war als die meisten ihrer Altersklasse. Vor einem Jahr wechselte die heute 17-Jährige zum TSV Schwabhausen im Landkreis Dachau, sie war dort die Nummer zwei beim Zweitligisten und bekam es überwiegend mit routinierten Profis zu tun. In der kommenden Saison ist sie beim Aufsteiger fest für die erste Liga gesetzt.

Wegen ihres Vereinswechsels muss Tiefenbrunner jetzt mehr als 90 Kilometer Luftlinie für ein Heimspiel in Schwabhausen oder ein Training im Dachauer Hinterland zurücklegen. Nicht einfach ohne Führerschein. "Mit dem Zug bin ich da zwei Stunden unterwegs, manchmal fahren mich aber auch meine Eltern mit dem Auto", sagt sie. Trainieren kann Tiefenbrunner weiterhin auch zu Hause. Entweder beim Stützpunkttraining des Bayerischen Tischtennis-Verbands in Kolbermoor oder in einem Tischtennis-Center in Bad Aibling, unweit ihrer Schule.

Die 17-Jährige besucht derzeit die elfte Klasse des Gymnasiums Bad Aibling, sie will dort in einem Jahr ihr Abitur machen. Ob Schule und Leistungssport vereinbar sind? "Es ist nicht ganz einfach, weil ich ja auf keinem Sportinternat bin", sagt Tiefenbrunner. Seit drei Jahren reist sie regelmäßig zu Turnieren in der ganzen Welt, mindestens einmal pro Monat sitzt sie im Flugzeug. So kommt es nicht selten vor, dass die 17-Jährige im Unterricht fehlt. "Da muss ich schon einiges nachholen, aber es läuft ganz gut soweit", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Auch im Jugendnationalteam des Deutschen Tischtennis-Bunds spielt Tiefenbrunner mittlerweile eine tragende Rolle. Angefangen mit Stufenlehrgängen und kleinen bayerischen Turnieren erhielt das Talent bald die Einladung zu internationalen Turnieren. "Das hat dann auch einigermaßen gut geklappt", sagt Tiefenbrunner. Mittlerweile zählt sie zum Stammkader des deutschen Jugend-Nationalteams.

Dass mit dem Leistungssport mitunter auch Entbehrungen einhergehen, wurde der Sportlerin im Februar dieses Jahres schmerzlich vor Augen geführt. Eine Schulterverletzung zwang Tiefenbrunner zu einer einmonatigen Pause, einen geplanten Start bei den Swedish Open musste sie absagen. "Das war hart, ich wollte keine längere Verletzungspause riskieren", sagt die 17-Jährige. Den Mut aber habe sie auch in dieser Zeit nie verloren, betont Tiefenbrunner. Ihre Leidenschaft für das Tischtennis ist größer als jeder Zweifel. "Viele sagen, Tischtennis ist gar kein richtiger Sport", sagt Tiefenbrunner und lacht. "Aber das stimmt nicht. Das ist ein Kraftsport, man muss immer fit sein, auch im Kopf."

Wie ihre Pläne für die Zukunft aussehen? "Ich werde an den Jugend-Weltmeisterschaften in Bangkok teilnehmen, die finden am Ende des Jahres statt", sagt die Sportlerin. Danach möchte Laura Tiefenbrunner aber erst einmal wortwörtlich "den Ball flach halten", im Frühjahr 2020 stehen ihre Abiturprüfungen an. Ob sie danach ihr Glück als Profi-Tischtennisspielerin probieren, oder studieren möchte, weiß die 17-Jährige noch nicht so genau. Aber ganz gleich, wie sie sich entscheiden wird: Ganz aufhören mit dem Tischtennis kommt für sie nicht in Frage.