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"MiCapella" in Dachau:Überwältigende Power

Chorkonzert

Ein stimmgewaltiges Konzert bringt der gemischte Chor "Micapella" in der Kirche Maria Himmelfahrt zur Aufführung.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der internationale Chor "MiCapella" aus München beeindruckt in der Kirche Mariä Himmelfahrt mit seiner klanglichen Wucht

Ein im katholischen Altbayern weit verbreiteter Glaube besagt, dass es "drent", in der ewigen Seligkeit, nur Manna gibt, Manna in der Früh, Manna mittags, Manna zur Brotzeit (Manna-Zeit?), und das eine Ewigkeit lang! Das ist eine Aussicht, die den gläubigen Altbayern ermuntert, sich beizeiten noch eine Mass Bier und eine Schweinshaxen schmecken zu lassen. Der überaus katholische französische Organist und Komponist Olivier Messiaen meint in seiner Orgelkomposition "Le Banquet Céleste" (Das himmlische Gastmahl) etwas anderes, nämlich die "Kommunion", und lässt in seine in sehr langsamem Tempo zu spielenden schwebenden Akkorde Töne in kurzem Staccato "wie Wassertropfen", die Blutstropfen Christi symbolisieren sollen, einfließen. Matthias Pernpeintner spielte diese katholische Komposition an der neuen Kaps-Orgel als erste Orgel-Einlage in dem Konzert "De profundis & in excelsis" des Münchner internationalen Chors MiCapella.

Dieses Konzert in der Kirche Mariä Himmelfahrt, wo sonst der Dachauer Kammerchor sehr fein ausgearbeitete Chormusik im vergleichsweise (verglichen vor allem mit dem jetzigen Eindruck) zarten Klang bietet, ein wahrhaft außergewöhnliches Erlebnis. Der Münchner Chor "MiCapella" besteht nämlich aus lauter jungen Sängerinnen und Sängern (etwa 40 Frauen- und 21 Männerstimmen), die immer wieder richtig loslegen und dabei schier überwältigende Power entwickeln.

Das Programm begann mit dem 130. Psalm in der Vertonung von Heinrich Kaminski, für den das Komponieren in Ried bei Benediktbeuern ein heiliger Akt war, seinen Werken durfte man sich also nur mit größer Ehrfurcht nähern. Heute nähert sich seiner Oper und seiner Kammermusik niemand mehr, nur seine geistliche Chormusik taucht in entsprechenden Programmen hin und wieder auf und beeindruckt dann erheblich. Bei der Münchner "MiCapella" vertrat Kaminski das "De profundis" ("Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir") im Titel des Programms.

Ein Vorläufer Kaminskis in der geistlichen Musik Altbayerns war der in München Epoche machende Komponist und Organist Josef Gabriel Rheinberger aus Liechtenstein. Aus dessen op. 140 "Fünf lateinische Hymnen" sang der Münchner internationale Chor mit Orgel derer drei - eine schöne Erinnerung an die große Zeit Münchner Musik in er zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zeitschrift Signale für die musikalische Welt würdigte 1886 diese Hymnen als "wahrhaft religiöse Musik ... sie klingen für Gott und Menschen wohlgefällig, warm, fromm und erbaulich". Woher weiß der Autor in dieser Zeitschrift, dass diese Musik nicht nur den Menschen (dieser Geschmacksrichtung) sondern auch Gott wohlgefällig ist?

Für die Zuhörer in der relativ gut besetzten Kirche war auch Mendelssohns Komposition für Sopran, Orgel und Chor "Hör mein Bitten" wohlgefällig, vor allem weil Corinna Gönner (Sopran) mit ihrer Zwillingsschwester Eva Gönner (Chorleitung) und dem Organisten Pernpeintner so perfekt zusammenarbeitete. Freunde der rauschenden Orgelmusik waren sicher auch von Präludium und Fuge c-Moll von Mendelssohn und einer Toccata von Max Reger angetan. Reger war angeblich "katholisch bis in die Fingerspitzen", doch diese Fingerspitzen kamen in intensive Berührung mit den Orgelwerken von Johann Sebastian Bach, und das färbte stark ab.

Der Chor "MiCapella" setzte sich mit der achtstimmigen Motette für Doppelchor "Fürchte dich nicht" von Bach auseinander und hatte damit ein Werk, in welchem er sich musikalisch und vor allem klanglich voll entwickeln, heute sagt man "powern", konnte. So "katholisch barock" hat man Bach in Dachau noch nie gehört, in der Kirche Mariä Himmelfahrt schon gar nicht. Die klangliche Wucht steigert sich noch bei einem "Magnificat" für Chor und Orgel von George Dyson und, nach einem hübschen, fröhlichen "Exsultate Deo" von Francis Poulenc, erst recht beim fulminanten "Psaume 150" für Chor und Orgel von César Franck. Jetzt war man beim "in excelsis" angelangt und ließ es voll rauschen. "An alle Register zog'n hamma" könnten der Organist und dieser Münchner Chor sagen, der mit seinen 60 Stimmen sogar mit dem Plenum der Kaps-Orgel in Mariä Himmelfahrt mithalten konnte. "In excelsis" bedeutet bei dem Münchner internationalen Chor "Hochglanz".

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