Dachauer bei Metzger-WM:"Solche Emotionen habe ich bis dato nicht erlebt"

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Dachauer bei Metzger-WM: Als der WM-Sieger Deutschland verkündet wurde, kamen Teammanager Werner Braun aus Wiedenzhausen sogar die Tränen.

Als der WM-Sieger Deutschland verkündet wurde, kamen Teammanager Werner Braun aus Wiedenzhausen sogar die Tränen.

(Foto: Werner Braun)

Das deutsche Metzger-Nationalteam holt den Weltmeistertitel in Kaliforniens Hauptstadt Sacramento. Werner Braun aus Wiedenzhausen war als Teammanager dabei und erzählt von berührenden Momenten.

Von Anna Schwarz, Sulzemoos

Nicht nur der bayerische Leberkäse kam in Sacramento gut an. Das deutsche Nationalteam holte den Titel bei der Metzger-WM, der "World Butchers' Challenge" in Kalifornien. Metzgermeister und Innungsobermeister Werner Braun aus Wiedenzhausen, war als Teammanager dabei und erzählt: "Solche Emotionen habe ich bis dato nicht erlebt." Als verkündet worden sei, dass sein Team Weltmeister ist, seien ihm sogar die Tränen gekommen.

Zuvor ließ er einen Container in die USA verschiffen, darin war tonnenweise WM-Equipment für einen Metzgerlehrling, eine Junggesellin und die Nationalmannschaft: mehrere Tischplatten, ein Cutter, um Wurst herzustellen, Schürzen, Eisenhandschuhe und ein kleines Zelt. Denn bei der WM trat Brauns Team "Butcher Wolfpack", auf deutsch "Metzger-Wolfsrudel", mit sechs Metzgern aus ganz Deutschland unter dem Motto "Oktoberfest" an. Das Zelt bauten sie im "Golden 1 Center" in Sacramento auf, wo sonst die Basketballer der Sacramento Kings spielen. Zuvor hatten sich die deutschen Metzger bei einem Fleischsommelier-Kurs zusammengetan und belegten bei der Metzger-WM 2018 in Irland bereits den vierten Platz. Nun sollte es das Siegertreppchen werden: In der kalifornischen Hauptstadt setzten sie sich gegen Berufskollegen aus 13 Nationen durch, unter anderem aus Australien, Frankreich, Irland, Italien, Neuseeland und dem Gastgeberland USA.

Dachauer bei Metzger-WM: Jubel beim "Butcher Wolfpack": Die sechs Metzger (von links) Michael Moser, Jürgen Reck, Mathias Endrass, Dirk Freyberger, Katharina Bertl und Jörg Erchinger holten den WM-Titel.

Jubel beim "Butcher Wolfpack": Die sechs Metzger (von links) Michael Moser, Jürgen Reck, Mathias Endrass, Dirk Freyberger, Katharina Bertl und Jörg Erchinger holten den WM-Titel.

(Foto: Werner Braun)
Dachauer bei Metzger-WM: "Der Himmel der Bayern" wurde im Golden 1 Center in Sacramento aufgebaut.

"Der Himmel der Bayern" wurde im Golden 1 Center in Sacramento aufgebaut.

(Foto: Werner Braun)
Dachauer bei Metzger-WM: Mit einer großen (Fan-)Delegation feiert das deutsche Metzger-Team in Kalifornien.

Mit einer großen (Fan-)Delegation feiert das deutsche Metzger-Team in Kalifornien.

(Foto: Werner Braun)

Die WM-Aufgabe: Das Team musste innerhalb von drei Stunden und 15 Minuten ein halbes Rind, ein halbes Schwein, ein ganzes Lamm und sechs Hendl zerlegen und daraus 100 Spezialitäten küchenfertig zubereiten. Sie wurden anschließend an Obdachlose und Hilfsbedürftige in Sacramento verteilt. Die Jury bestand aus 14 Kampfrichtern der Teilnehmerländer, sie bewertete und verkostete die deutschen Metzgerprodukte teilweise, dazu gehörten Rollbraten, Baconbomb mit Speckstreifen und Weißwürste. Werner Braun erzählt stolz: "Wir waren die Schnellsten und die Saubersten", sein Team holte außerdem den Titel für die weltbeste Rindfleisch-Wurst und die weltbeste Gourmet-Wurst. Auch der Leberkäse überzeugte. Dafür hatten die deutschen Metzger extra einen kleinen Küchenofen mitgebracht, um drei Stück für die Jury aufzubacken: "Die sind ausgetickt und haben den komplett weggeputzt", sagt Werner Braun.

Der Trick mit den Fangesängen

Doch es wurde auch mit Tricks gearbeitet, verrät der Metzgermeister: Weil das Publikum in der WM-Arena nicht rein rufen durfte, wurden die Tipps kurzerhand in Fan-Gesänge umgedichtet, wie: "Schalt den Cutter aus, schalt den Cutter aus", erzählt Braun. Ohne den Hinweis in Gesangsform wäre das Brät in der Küchenmaschine wohl verbrannt - Gelb- und Wollwürste sowie Leberkäse wären hin gewesen. Auch die Konkurrenz hatte offenbar nichts gegen die informativen Fan-Gesänge: "Die Neuseeländer und Brasilianer, die neben uns gearbeitet haben, haben ja nicht verstanden, was wir gesungen haben", sagt Braun und lacht.

Gefeiert wurde der Weltmeistertitel schließlich mit "viel Dosenbier" im Ferienhaus der deutschen Metzgermannschaft. Zweiter wurde das australische Team, Dritter Neuseeland. Auch die deutsche Metzgerjugend war in Sacramento erfolgreich: Nachwuchs-Metzger Fabian Schüttler aus dem hessischen Bickenbach holte den Vizeweltmeistertitel in der Kategorie "Bester Auszubildender" und Katharina Endraß-Lacher aus Ofterschwang im Allgäu verpasste das Siegertreppchen knapp in der Kategorie "Bester Geselle".

Nach zehn Tagen in den USA ist Werner Braun nun "glücklich und erschöpft" zurück in Wiedenzhausen. Er habe viele Eindrücke mitgenommen: Zum Beispiel hätten seine internationalen Metzgerkollegen sehr von der Wurstkultur in Deutschland geschwärmt: "Aber ich verstehe nicht, warum man das nicht einfach kopiert." Mit dem italienischen Team habe man nicht nur Bierpong gespielt, sondern sich auch kulinarisch ausgetauscht: Anstatt Fenchel würden die Italiener zum Beispiel Rosmarin für ihre Salsiccia verwenden. Reisen bildet eben. Und bei der nächsten Metzger-WM - wahrscheinlich in Paris - "sind wir als Titelverteidiger natürlich wieder dabei", verrät Braun.

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