Ein Filmfestival zum Thema Menschenrechte kurz vor Weihnachten: Das klingt vielleicht erst einmal seltsam, weil doch fast jede und jeder im Geschenkestress ist. Doch dieses Filmfest, das von 18. bis 21. Dezember im Ludwig-Thoma-Haus stattfindet, passt gut in die späte Adventszeit. Schließlich ist es ein Aufruf, endlich ernst zu machen im Kampf für Demokratie und Menschenrechte. „Lichtbrücke“ haben die beiden Initiatoren Martin Modlinger und Jakob Gatzka diese erstmalig stattfindende Reihe mit dokumentarischen Kurz- und Langfilmen genannt, mit dem Untertitel „Human Rights Filmfestival“. Veranstalter ist die Seebrücke Dachau in Kooperation mit dem runden Tisch gegen Rassismus Dachau und dem Demokratiebündnis Dachauer Land.
„Ich war sofort dabei, als mich Martin Modlinger vor zwei Jahren angesprochen hat“, sagt Gatzka beim Treffen mit den beiden Organisatoren in einem Dachauer Café. Ein Grund: „Es sollen relativ neue Filme gezeigt werden, und sie sollen nicht nur dokumentarisch, sondern auch ästhetisch anspruchsvoll sein.“ Filmemacher Gatzka weiß, wovon er spricht, hat er doch reichlich Erfahrung in Sachen Film und Filmfestivals. So war er beispielsweise Direktor des von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen geförderten „Unlimited Hope Human Rights Filmfestivals“. Gerade arbeitet er an seinem Kino-Dokumentarfilm-Projekt „Sohail und die Taliban“.
Die Frage, warum die „Lichtbrücke“ in der cineastisch nicht gerade leuchtenden Großen Kreisstadt und auch noch kurz vor Weihnachten stattfindet, beantwortet Modlinger: „Wir haben keinen anderen Termin im Ludwig-Thoma-Haus bekommen. Und wenn nicht in Dachau, wo denn sonst?“ Schließlich geht es den Initiatoren mit ihrem Programm nicht um den erhobenen Zeigefinger. Sie wollen vielmehr zeigen, wie vielfältig, sehr persönlich und erfolgreich der Einsatz für Menschenrechte und Menschenwürde sein kann – im Großen und im Kleinen.
Zudem verstehen sie ihre Filmauswahl als Mutmacher, wie sie sagen. Wissen sie doch genau, wie mühsam es ist, gegen die immer stärker werdenden Vorurteile und Fake News anzugehen – nicht nur in Sachen Migration, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Homophobie. Was die Frage aufwirft, ob sie sich Gedanken um mögliche Störaktionen von rechts machen. „Nein“, sagt Modlinger. „Wenn sie sich gegen ein überparteiliches Menschenrechtsfestival stellen würden, würden sie sich noch mehr entlarven als sie es sowieso schon tun.“
Lichtbrücke startet mit dem Dokumentarfilm „Das Deutsche Volk“, der die Geschichte des rassistisch motivierten Hanau-Attentats 2020 aus der Sicht von Hinterbliebenen und Überlebenden erzählt. Das Festival endet am Sonntag, 21. Dezember, mit „Save our Souls“ über die Seenotrettung im Mittelmeer. Dazwischen thematisieren Filme wie „Ich bin! Margot Friedländer“ oder „Das Verschwinden des Josef Mengele“ die Zeit von NS-Horror, von Widerstand und Überlebensmut. „Die Möllner Briefe“ befasst sich mit dem Versagen der Behörden nach einem rassistischen Anschlag im Jahr 1992 und „Kein Land für niemand“ betrachtet die Abschottung Europas angesichts der Migration.
Gezeigt wird auch der Oscar-prämierte Dokumentarfilm „No other Land“ über die Bewohner einer Siedlung im Westjordanland, die einem Truppenplatz der israelischen Armee weichen soll. „Karla“ wiederum erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen, das sich dem Schweigen in Familie und Gesellschaft entgegenstellt, und „Spuren nach Grafeneck“ zeigt, wie sich ein inklusives Theater mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzt.


„Wir haben Filme ausgewählt, bei denen man genau hinschauen und genau zuhören kann, die die Zuschauer emotional mitziehen“, sagt Modlinger, und Gatzka ergänzt: „In den Einzelschicksalen geht es um die großen Fragen unserer Zeit.“ Was die Filme aber auch zeigten: „Du bist mit deinem Engagement nicht allein, es gibt unzählige auf der ganzen Welt, die sich für andere einsetzen.“ Das, sagen die Initiatoren, sei unglaublich motivierend.
Außer den 24 Filmen unterschiedlicher Länge gibt es von Donnerstag, 18. Dezember, bis Sonntag, 21. Dezember, noch etliche Möglichkeiten der Begegnung und des Dialogs, etwa bei anschließenden Filmgesprächen mit Regisseurinnen und Regisseuren oder bei einer Lesung mit Autor Florian Göttler aus seinem zweiteiligen Roman „Dachau 1933-1945“. Angeboten werden auch ein Workshop mit Vertreterinnen der Feminist Law Clinic, die feministische Rechtsberatung anbietet, und ein Abend mit den Sea Punks, die aus erster Hand über die Rettung Geflüchteter aus dem Mittelmeer berichten.
Auch wenn es die „Lichtbrücke“ schwer habe, weil die Tage um den vierten Advent „nicht unbedingt das beste Festival-Wochenende“ seien, sind die Macher zuversichtlich. „Wir hoffen, dass wir an diesem speziellen Ort Dachau so etwas etablieren können“, sagt Modlinger. Denn: „Erinnern ist eigentlich ein Akt für die Zukunft. So wollen wir zeigen, dass es ums Handeln für die Zukunft geht, nicht nur um den Blick auf die Vergangenheit.“ Und Gatzka ist überzeugt: „Es geht um Menschen, die sich widersetzen; denn diese Filme können motivieren, im Kleinen zu tun, was du tun kannst.“ Und nicht zuletzt „wollen wir auch noch ein paar Unentschlossene erwischen, die sich künftig stark machen für die Demokratie“.
Karten gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Subtext am Sparkassenplatz Dachau sowie in der Buchhandlung Beck & Boy, Augustiner Ring 8, Markt Indersdorf. Programm und weitere Informationen unter lichtbruecke-dachau.de

