Masters Cup 85-Jährige stellt Schwimmrekord auf

Reife Leistung: Maren Piskora ist die neue deutsche Rekordhalterin über 400 Meter Freistil der Frauen.

(Foto: Toni Heigl)

Beim 20. Masters Cup des SV Dachau erzielt die älteste Athletin, Maren Piskora, über 400 Meter Freistil eine neue deutsche Bestzeit in ihrer Altersklasse.

Von David Holzapfel, Dachau

Das Hallenbad ist gut besucht an diesem Samstagmorgen. Es riecht nach Chlor und Filterkaffee. Aus einer Musikanlage wummern Rockklassiker der späten 80er-Jahre. In wenigen Augenblicken wird Maren Piskora den 20. Dachauer Masters-Cup mit nicht weniger als einem neuen deutschen Rekordversuch eröffnen.

Noch ein letztes Festzurren der Schwimmbrille, dann ertönt auch schon das Startsignal. Die Schwimmerin taucht ein in das türkisfarbene Wasser, stößt sich vom Beckenrand ab und beginnt unter dem lautstarken Beifall der Schaulustigen mit ihrem Rekordversuch. Zug um Zug, Bahn um Bahn pflügt sie mit stoischer Ruhe durch das Wasser. Exakt elf Minuten und 21,95 Sekunden später steht fest: Maren Piskora ist die neue deutsche Rekordhalterin über 400 Meter Freistil der Frauen.

In der bayerischen Schwimmerszene ist die Seniorin bekannt

Dass die 85-Jährige dabei als einzige ihrer Altersklasse angetreten ist, tut ihrer Leistung keinerlei Abbruch. In der bayerischen Schwimmerszene gilt die Seniorin schon seit geraumer Zeit als echtes Urgestein. In ihrem Heimatort Gräfelfing brachte sie weit mehr als 1000 Kindern das Schwimmen bei. Den heimischen Flur der Seniorin zieren auch mehr als 2000 Medaillen gewonnener Wettkämpfe, darunter auch einige Rekordrennen im Dachauer Hallenbad.

Seit exakt zwei Jahrzehnten hält der Schwimmverein Dachau hier den sogenannten Masters-Cup ab. Was vor 20 Jahren noch als überschaubarer Wettkampf begann - damals nahmen etwa 100 Schwimmer aus 45 Vereinen teil -, expandierte mit der Zeit zu einem Großereignis. In diesem Jahr schickten 65 Vereine aus fünf Nationen über 300 Teilnehmer ins Rennen. Über zwei Tage hinweg gingen Schwimmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Slowenien und Russland über die Startblöcke.

Die Schwimmer aus fünf Nationen legen sich kräftig ins Zeug, am Beckenrand herrscht dagegen eine eher entspannte, familiäre Atmosphäre.

(Foto: Toni Heigl)

Der Masters-Schwimmsport ist an den Deutschen Schwimmverband (DSV) angegliedert und gilt als Amateurliga im Schwimmbereich. Bei Wettkämpfen werden die Teilnehmer für die Wertung jeweils in Altersklassen ab 20 Jahren - aufsteigend in Fünf-Jahres-Schritten - eingeteilt. Regelmäßig erzielen die Athleten dabei neue Landes-, Bundes- und sogar Weltrekorde in unterschiedlichen Disziplinen.

Im vergangenen Jahr konnten neben dem SV Dachau, der zwei neue deutsche Rekorde aufstellte, auch österreichische, schweizerische und russische Schwimmer etliche neue Bestleistungen erzielen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen aller Beteiligten im Vorfeld des Jubiläums-Cups. Diese wurden jedoch bereits am ersten Wettkampftag vollends erfüllt: Neben dem Freistilrekord von Maren Piskora über 400 Meter konnten auch Violetta Schlesinger vom SV Dachau und ein Dutzend andere Athleten neue Bestleistungen erzielen.

Maren Piskora will in Südkorea an den Start gehen

Rekorde seien das eine, beim Masters-Schwimmen gehe es aber um viel mehr, sagt Mitorganisator Jürgen Winzer vom SV Dachau in einer kurzen Verschnaufpause. Die Wettkämpfer sitzen entspannt am Beckenrand und unterhalten sich, über ihren Köpfen hängen die fünf Flaggen der im Masters Cup vertretenen Nationen. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird viel gelacht. Man kennt und schätzt sich. "Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, viele hier kenne ich schon seit Jahrzehnten", sagt eine Münchener Teilnehmerin. Michael Posch vom SV Dachau erinnert sich an eine Situation von vor 13 Jahren. Auf der Suche nach Wettkämpfen hätte ein russisches Schwimmteam eine 24-stündige Autofahrt nach Dachau auf sich genommen. Seitdem zählt die Teilnahme des Teams zum festen Bestandteil der Masters Cup. Für die Organisatoren des SV Dachau war der Jubiläumswettkampf rückblickend ein Erfolg auf ganzer Linie.

Ob auch Maren Piskora im kommenden Jahr wieder auf Rekordjagd gehen wird? "Ich weiß es noch nicht, auf mich warten jetzt erst einmal andere Wettkämpfe", sagt sie. Und mit anderen Wettkämpfen meint die 85-Jährige unter anderem die Schwimmweltmeisterschaft im Sommer dieses Jahres in Südkorea. Für die hat sie sich nämlich schon in ihrer Altersklasse angemeldet.