Kultur in Dachau:"Ich möchte musikalisch nicht in einer Schublade stecken"

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Kultur in Dachau: "Die Menschen erwartet ein Konzert voller Emotionen", sagt Rabih Lahoud, Sänger der Band "Masaa".

"Die Menschen erwartet ein Konzert voller Emotionen", sagt Rabih Lahoud, Sänger der Band "Masaa".

(Foto: Andy Spyra)

Die Band "Masaa" tritt am Wochenende zum zweiten Mal in Dachau auf. Im Interview spricht ihr Sänger Rabih Lahoud über Improvisation in der Musik.

Interview von Shafia Khawaja, Dachau

Die Jazzband Masaa ist am Samstag, 22. Januar, in der Friedenskirche Dachau zu sehen. Im letzten Jahr gewann das Quartett bereits den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie "Album Vokal des Jahres". Im Interview spricht der Sänger Rabih Lahoud über Heimatsgefühle, musikalische Schubladen und die Sehnsucht, sich auszudrücken.

SZ: Masaa bedeutet Abend auf Arabisch. Wie sind Sie zu diesem Namen gekommen?

Rabih Lahoud: Als wir zusammen in der Band Musik gemacht haben, hatte ich dieses Gefühl, das mich an meine Kindheit im Libanon erinnert hat: Man sitzt abends zusammen, die Menschen sind sehr offen und sprechen viel miteinander. Wir haben den Namen dann innerhalb der Band besprochen und uns schnell auf Masaa geeinigt.

Wie würden Sie die Musikrichtung von Masaa beschreiben?

Wir improvisieren ganz viel und erfinden im Moment und gleichzeitig spielen wir auch Songs, die eine klare Form haben. Wir kombinieren verschiedene Elemente: Manchmal ist es durch die Sprache Arabisch angehaucht, manchmal auch Französisch, also eher Richtung "Chanson". Es beinhaltet einfach alles, was wir vier mögen und was wir als Vehikel benutzen, um uns auszudrücken. Unsere Musik ist voller Ausdruck.

Die Musikrichtung Ihrer Band wird häufig als "Weltmusik mit orientalischem Einfluss" beschrieben. Können Sie sich damit identifizieren?

Ich bin im Libanon geboren, singe auf Arabisch und die Klänge sind ein wenig anders. In Deutschland ist das am meisten fremd und deshalb wird die Aufmerksamkeit darauf gerichtet. Ich kann verstehen, dass das eher ins Auge oder ins Ohr springt, aber für mich und für uns als Band ist das ein Element von vielen. Man könnte die Musik genauso anders bezeichnen.

Also lässt sich der Stil gar nicht genau definieren?

Ich möchte musikalisch nicht in einer Schublade stecken. Ich liebe Musik in all ihren Facetten und habe Einflüsse aus der klassischen und Arabischen Musik, aus Jazz, aber auch Pop. Für mich ist es wichtig, eine Brücke zu bilden zwischen den musikalischen Stilen oder den Schubladen und daraus das Beste für mich rauszuholen.

Was können Zuhörer und Zuhörerinnen bei Ihrem Konzert in Dachau erwarten?

Die Menschen erwartet ein Konzert voller Emotionen - von null bis hundert bis man von dieser Freiheit des Ausdrucks erfüllt ist. Wir hören einander zu und unterhalten uns mit den Instrumenten auf der Bühne. Das Herzstück unserer Musik ist die Improvisation: Jedes Konzert ist anders, auch wenn wir die gleichen Lieder spielen.

Worum geht es in ihren Liedern?

Die meisten Liedtexte sind im Alltag verankert und führen dann zu tieferen Themen. Es geht um das Leben und den Tod, über Beziehungen und die kleinen Dinge im Leben, zum Beispiel Blicke oder Begegnungen mit anderen Menschen. Ein neues Lied von uns handelt von den Blumen am Straßenrand, die man nicht beachtet. Die Texte müssen nicht immer eine Bedeutung oder einen Grund haben, sondern die Sehnsucht danach, sich auszudrücken, soll durch die Musik ausgefüllt werden. Glück bedeutet für mich: Das, was einem auf dem Herz liegt, ausdrücken zu können ohne viel drüber nachzudenken.

Ihre Songtexte sind teilweise nur drei Zeilen lang. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Viele Lieder erinnern an japanische Haikus, an ganz kurze Gedichte. Ich lasse mich von der Musik inspirieren, um die Texte zu schreiben: Während wir proben oder versuchen, die Musik entstehen zu lassen, fallen mir die Texte in dem Moment ein und ich versuche, sie danach nicht mehr zu bearbeiten.

Sie waren mit Masaa bereits viel unterwegs. Wo haben Sie schon überall gespielt?

Mit dem Goethe-Institut sind wir durch Äthiopien, Ruanda, Simbabwe, Mosambik und Südafrika getourt. Wir hatten auch schon Auftritte im Libanon und Jordanien. Hauptsächlich sind wir aber in Deutschland unterwegs: In den großen Städten wie Hamburg, Köln oder München, aber auch in kleineren Orten. In Dachau waren wir auch schon: Die Menschen waren dort sehr herzlich und sehr offen und ich freue mich sehr, jetzt wiederzukommen.

Interessierte können Tickets im Leierkasten oder über ticketino.com erwerben. Die Tickets kosten zuzüglich Vorverkaufsgebühren 18 Euro beziehungsweise 15 Euro ermäßigt. Eintritt: 19.30 Uhr.

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