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Markt Indersdorf:Kunstrasenplatz auf TSV-Gelände abgelehnt

Ob die örtlichen Sportvereine ihr "Jahrhunderprojekt" umsetzen können, erscheint nach dem jüngsten Votum des Gemeinderats fraglich.

Die Sportvereine TSV Indersdorf und TaF Glonntal sehen einen Kunstrasenplatz als "Jahrhundertprojekt", das sie seit fast zwei Jahren leidenschaftlich verfolgen. Ob das Vorhaben realisiert werden kann, ist seit Mittwochabend äußerst fraglich. Mit einem Patt von zehn zu zehn Stimmen sprach sich der Gemeinderat dagegen aus, den Kunstrasen auf dem Hauptplatz des TSV-Geländes zu bauen. Grund für die Ablehnung ist der Standort. Das gesamte Sportareal liegt im Hochwassergebiet der Glonn, das letztmals im Jahr 2013 überflutet wurde - mit Ausnahme des Hauptplatzes, der etwas höher liegt. Das ist der Knackpunkt: Während viele Gemeinderäte die Gefahr einer Überschwemmung mit hohen Schäden sehen, halten die Vereine dieses Risiko für minimal. Und selbst wenn der Platz einmal unter Wasser stehe, seien die Wiederherstellungskosten nicht gravierend. Die Vereine wollen das Projekt weiterverfolgen. "Es wird nichts beerdigt, der Bedarf ist da", gibt sich TaF-Glonntal-Vorsitzender Siegfried Frost kämpferisch.

Befürworter eines Kunstrasens auf dem TSV-Areal: Bernhard Wetzstein.

(Foto: Jørgensen)

Frost ärgert sich über die Sitzungsvorlage für den Beschluss. Dort wird der beratende Ingenieur Hans Dieter Kolaja vom gleichnamigen Planungsbüro in Oberroth zitiert, wonach bei einer Überflutung des Kunstrasenplatzes die Wiederherstellungskosten bei 120 000 Euro liegen. "Das stimmt nicht, diese Summe bezieht sich auf die Kosten, wenn man nach 15 Jahren die Oberfläche erneuert", sagt Frost. Die Vereine wollen einen Kunstrasen ohne Granulat, um die Kosten für die Säuberung nach einem Hochwasser zu senken. Frost: "Da kommt dann die Feuerwehr und spritzt den Platz ab, damit ist der Fall erledigt". Das hätten bei einer Anfrage Betreiber bestätigt, die über einen Kunstrasen in der gewünschten Version verfügen. TSV-Vorsitzender Bernhard Wetzstein widerspricht auch den Angaben über die jährlichen Unterhaltskosten (25 000 Euro) und Teilsanierungen, die alle sechs Jahre erforderlich seien. Die Betreiber solcher Plätze hätten dies nicht bestätigt.

Hans Lachner ist gegen den Kunstrasenplatz.

(Foto: Jørgensen)

Das Planungsbüro beziffert die Kosten für den Kunstrasenplatz auf mindestens 650 000 Euro. 390 000 Euro soll die Gemeinde aufbringen. Die Vereine wollen ihren Anteil von 130 000 Euro mit einem Kredit finanzieren, für den die Gemeinde eine Bürgschaft übernehmen soll. Weitere 130 000 Euro sind als Zuschuss des BLSV eingeplant. Bürgermeister Franz Obesser (CSU) verwies darauf, dass es sich um eine freiwillige Leistung handle. Die Pflichtaufgaben seien vorrangig. "Da haben wir einen ganzen Strauß vor uns: Feuerwehrhaus, Kinderbetreuung und Marktplatz." Paul Böller von den Um(welt)denkern plädierte dafür, ein positives Signal zu geben. Das Projekt sei ein Aushängeschild für die Gemeinde. "Wir Um(welt)denker halten die 400 000 Euro für gut angelegtes Geld", sagte Fraktionsvorsitzender Hans Wessner. Die Vereine leisteten wertvolle Jugendarbeit. Es müssten aber noch wichtige Gutachten eingeholt werden, bevor man konkrete Angebote einholen könne. Zustimmung signalisierte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Hubert Böck. "Der Platz wurde in den vergangenen Jahren nicht überschwemmt. Und wenn es dazu kommt, kann man ihn abspritzen." Feuerwehrhaus und Marktplatz würden erst 2017 realisiert, deshalb sollte man den Kunstrasen im nächsten Jahr bauen.

Kritik am Standort übten Thomas Loderer und Andreas Geier vom Bürgerblock Niederroth: "Wir haben immer gesagt, dass wir den Platz im Hochwassergebiet nicht unterstützen". Hans Ebert (FW) forderte Aussagen vom Wasserwirtschaftsamt und zur Bodenbeschaffenheit. Deutlich wurde dritter Bürgermeister Hans Lachner (CSU): "Der Platz muss raus aus dem Hochwassergebiet. Den Standort versteht in ganz Indersdorf keiner." Bürgermeister Obesser plädierte dafür, zunächst über die Einholung von Gutachten abzustimmen. Das mache keinen Sinn, wenn eine Mehrheit gegen den Standort sei, argumentierte Hubert Böck. Darüber wurde abgestimmt. Ergebnis: Der Standort wird nicht weiter verfolgt.

© SZ vom 20.11.2015/gsl
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