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Markt Indersdorf:Ökostrom aus alten Anlagen

Indersdorfer Marktgemeinderat debattiert über die Energiewende

Von Jacqueline Lang, Markt Indersdorf

Der bayerische Gemeindetag führt seit vielen Jahren für die Marktgemeinde Indersdorf die Ausschreibung für die kommunale Strombeschaffung durch. Seit 2012 erfolgt dies in Kooperation mit der Kubus Kommunalberatung, die seit 2015 für Indersdorf zur Zeitersparnis eine sogenannte Strombündelungsausschreibung vornimmt. Letztmalig war das 2018 der Fall, damals entschied man sich für 100 Prozent Ökostrom. Nun steht Markt Indersdorf erneut vor der Entscheidung, welche Art Strom die Gemeinde in den Jahren 2023 bis 2025 beziehen will: sogenannten Normalstrom, bei dem der Anteil des Ökostrom je nach Lieferant unterschiedlich ausfallen kann, 100 Prozent Ökostrom mit oder ohne Neuanlagenquote. Bei der Variante mit Neuanlagenquote müssen mindestens 50 Prozent des Stroms aus Anlagen gewonnen werden, die nicht älter als fünf Jahre alt sind. Das soll die Errichtung neuer Anlagen fördern.

Für Bürgermeister Franz Obesser (CSU) schien die Entscheidung klar - immerhin wolle man ja als Gemeinde die Energiewende und mit gutem Vorbild vorangehen, deshalb sei die Option mit Neuanlagenquote aus seiner Sicht die beste Option, auch wenn diese mit 0,5 bis 1,2 Cent pro Kilowattstunde mehr gegenüber dem Normalstrom die teuerste Variante ist. Eine längere Diskussion im Marktgemeinderat machte jedoch deutlich, dass diese Einschätzung längst nicht alle Gemeinderäte teilten: Eine große Mehrheit stimmte dafür, 100 Prozent Ökostrom ohne Neuanlagenquote zu bestellen. Florian Ebner (EHW) sprach sich als einziger Gemeinderat für Normalstrom aus, "das reicht vollkommen". Die älteren Anlagen seien ja nicht irgendwann einfach kaputt, der Strom werde nur teurer. Unter den übrigen Gemeinderäten vertraten mehrere die Meinung von Johann Lachner (CSU), der diese Unterscheidung zwischen Ökostrom mit und ohne Neuanlagenquote als "Augenwischerei" titulierte. Es sei doch unmöglich festzustellen, zu wie viel Prozent nun wirklich Strom aus neueren Anlagen eingespeist werde. "Mehr wie 100 Prozent Ökostrom gibt's ned", sagte er. Axel Hoack (Grüne) und Gerhard Seemüller (Umweltdenker) sahen in der Variante mit Neuanlagenquote zum einen den Anreiz, mehr neue Anlagen zu bauen, zum anderen schlicht keine Alternative. Hans Wessner (Umweltdenker) ergänzte dazu noch, dass es sich aus seiner Sicht um zwei unterschiedliche Probleme handle: Ökostrom aus neuen Anlagen sei gut, weil perspektivisch mehr Strom gebraucht werde und die Stromproduktion dadurch gefördert werde. Gleichwohl dürfe das aber natürlich nicht bedeuten, dass ältere Anlagen, die Ökostrom produzierten, nach einer gewissen Zeit nicht mehr gefördert werden. Dieses Problem müsse allerdings "der Gesetzgeber regeln".

Bei der Abstimmung, die Bürgermeister Obesser schrittweise vornahm, weil drei Möglichkeiten zur Wahl standen, stimmten zunächst elf Gemeinderäte für, 14 Gemeinderäten gegen die Variante Ökostrom mit Neuanlagenquote. Diese Option schied also aus. Daraufhin ließ Obesser über die zweite Variante - Ökostrom ohne Neuanlagenquote - abstimmen. Hierfür fand sich eine große Mehrheit, einzig Florian Ebner stimmte dagegen. Für den Normalstrom musste nach dieser Entscheidung nicht mehr abgestimmt werden, weil sich der Gemeinderat mehrheitlich bereits auf Ökostrom ohne Neuanlagenzulage geeinigt hatte. Die Kosten belaufen sich hier auf schätzungsweise 0,0 bis 0,5 Cent pro Kilowattstunde mehr im Vergleich zum Normalstrom.

© SZ vom 27.03.2021
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