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Markt Indersdorf:"Ich will den Bau noch erleben"

Die Baugrube für das Caritas-Wohnprojekt, das die Stiftung von Brigitte Gschwendtner unterstützt, ist schon erkennbar. Mehr aber nicht.

(Foto: Toni Heigl)

Brigitte Gschwendtner und ihre Stiftung unterstützen ein Wohnbauprojekt für sozial schwache Senioren. Wegen neuer Verzögerungen macht sie der Gemeinde Druck

Es ist ein langwieriges Projekt, das sich jetzt schon seit Jahren hinzieht: Der Bau des Caritas-Zentrums am Indersdorfer Bahnhofsgelände. Neben Büroräumen für den Wohlfahrtsverband sollen hier Wohnungen für sozial schwache Senioren und betreute Wohnungen für psychisch labile Menschen entstehen. Bauträger ist die Wohnungsgesellschaft des Landkreises, an der die Gemeinde beteiligt ist. Nach langer Suche legte die Gemeinde vor vier Jahren den Standort fest. Die Eckpfeiler der Planung sind inzwischen genehmigt, doch jetzt gibt es wieder eine Verzögerung: Die Gemeinde muss eine neue Lösung für die Stellplätze suchen.

In den Bau sollen auch Mittel einer 2004 gegründeten Stiftung für Markt Indersdorf fließen, die zweckgebunden für solche Projekte sind. Stifterin Brigitte Gschwendtner wird allmählich ungeduldig. Sie fordert einen Baubeginn im nächsten Frühjahr ein. Sie ist über die erneute Verzögerung nicht erfreut. "Wir haben schon überlegt, alles umzuschmeißen", sagt sie. Als Deadline für den Baubeginn setzt sie das kommende Frühjahr. "Wenn es bis dahin nichts wird, müssen wir uns unter Umständen etwas anderes überlegen. Ich will den Bau noch erleben."

Eigentlich sollte der Spatenstich für das Projekt noch Ende dieses Jahres erfolgen. Das Stellplatzproblem führt allerdings dazu, dass sich der Bau um weitere drei Monate verzögern wird. Zwölf Stellplätze sind direkt neben dem vierstöckigen Gebäude mit Flachdach ausgewiesen, zwölf weitere waren auf einer Fläche der Bahn vorgesehen, die unmittelbar an das Gleis angrenzt. Die Gemeinde konnte das Baugrundstück vor vielen Jahren günstig von der Bahn erwerben. "Die Bahn hatte uns damals zugesagt, dass wir auch den Grund für die Parkplätze bekommen werden", erklärt der geschäftsführende Beamte Klaus Mayershofer. Doch die Bahn will davon jetzt nichts mehr wissen. In Verhandlungen mit der Gemeinde machte sie deutlich, dass das Grundstück weiterhin für Eisenbahnbetriebszwecke nötig ist. Für die Gemeinde bedeutet das, dass sie die Fläche aus dem Bebauungsplan Nr. 76 Bahnhof Ost herausnehmen muss. Weil sich der Umgriff der Planung ändert, muss der Bebauungsplan noch einmal öffentlich ausgelegt werden. Die Beteiligten können zum geänderten Umgriff Stellung nehmen. Bürgermeister Franz Obesser (CSU) rechnet damit, dass der Bau erst in drei Monaten beginnen wird.

Die Gemeindeverwaltung schlägt jetzt vor, die erforderlichen Stellplätze auf einer Fläche südlich der Bahnlinie auszuweisen. Das Areal, das der Gemeinde gehört, liegt direkt am Fußgängerübergang über das Gleis. Der Fußweg zum geplanten Caritas-Zentrum beträgt etwa 300 Meter - eine Entfernung, die aus Sicht der Verwaltung noch zu vertreten ist. Dritter Bürgermeister Hans Lachner (CSU) ist mit dieser Lösung allerdings unzufrieden. Er glaubt, dass die Stellplätze auf der anderen Seite der Bahnlinie nicht angenommen werden, weil sie vom Gebäude zu weit entfernt sind. In der jüngsten Gemeinderatssitzung äußerte er auch Kritik daran, dass die Planung nicht mehr Parkplätze neben dem Gebäude vorsieht. Jeder private Bauherr müsse die vorgeschriebenen Stellplätze auf seinem Grundstück nachweisen. "Wie sollen wir das gegenüber den Bürgern vertreten? Wir haben ein Gebäude mit vier Stockwerken genehmigt, aber ein Teil der Parkplätze liegt auf Gemeindegrund auf der anderen Seite der Bahn." Mayershofer verwies in der Sitzung darauf, dass auch private Bauherrn externe Plätze nachweisen können, wenn sie fußläufig zu erreichen sind. "Insofern beansprucht die Gemeinde keine Sonderstellung." Zudem gehe es um Sozialwohnungen, da müsse man einen anderen Maßstab anlegen. Die Bewohner bräuchten nicht so viele Stellplätze, weil sie nicht so viele Autos hätten. Der Gemeinderat segnete die Planänderung schließlich einstimmig ab. Bürgermeister Franz Obesser: "Wir haben keine andere Alternative."