Droh-Schmiererei am Gymnasium Markt Indersdorf:"Ein ganz schlechter Schülerscherz"

Lesezeit: 2 min

Droh-Schmiererei am Gymnasium Markt Indersdorf: In einer Schülertoilette des Indersdorfer Gymnasiums wurde eine vermeintliche Amok-Drohung gefunden.

In einer Schülertoilette des Indersdorfer Gymnasiums wurde eine vermeintliche Amok-Drohung gefunden.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Zwei Schülerinnen entdecken eine Schmiererei mit den Worten "Amoklauf 16.03." im Gymnasium Markt Indersdorf. Tags drauf findet der Unterricht unter Polizeischutz statt.

Von Miriam Dahlinger, Markt Indersdorf

Auf einer Mädchentoilette des Gymnasiums Markt Indersdorf (GMI) haben vergangenen Dienstag zwei Schülerinnen der 9. Klasse eine bedrohliche Schmiererei gefunden. Wie ein Sprecher der Polizei Dachau auf Nachfrage bestätigte, benachrichtigten die beiden das Sekretariat des GMI, nachdem sie auf der Innentür einer Mädchentoilette die Kritzelei "Amoklauf 16.03." gefunden hatten. Ursprünglich soll an der Tür das Datum von vergangenem Sonntag, 13. März, gestanden haben. Der Urheber oder die Urheberin habe dann aber wohl die 13 durchgestrichen und durch eine 16 ersetzt.

Schulleiter Thomas Höhenleitner benachrichtigte zwar umgehend die Polizei, entschied sich nach Absprache mit den Beamten aber dazu, den Schulunterricht am Mittwoch regulär abzuhalten und die Schülerschaft vorerst nicht über den Fund zu informieren. Die Polizei sei nach eigenen Angaben zu der Ansicht gekommen, dass die Bedrohungslage "nicht ernsthaft" gewesen sei. Details, wie die Beamten zu dieser Einschätzung kamen, teilte ein Sprecher auf Anfrage nicht mit. Schulleiter Höhenleiter erklärte jedoch, dass es mehrere Indizien für "einen ganz schlechten Schülerscherz" gegeben habe.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

Was den Urheber oder die Urheberin der Drohung betrifft, glaubt Höhenleitner, dass der Person vermutlich gar nicht bewusst gewesen sei, was sie mit der Schmiererei ausgelöst habe. Auch eine falsche Amok-Drohung ist ein Straftatbestand. Die Polizei ermittelt wegen "Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung einer Straftat". Der Verursacher der Schmierschrift sei aber noch nicht ermittelt.

Zur Sicherheit waren am Mittwoch nach Angaben der Polizei mehrere Beamte vor Ort; zudem ergriff man in Absprache mit der Schulleitung weitere Schutzmaßnahmen. Die Schulleitung verriegelte unter anderem alle Zugänge zur Schule, auch der Nachmittagsunterricht fiel aus. Im Anschluss informierte Höhenleitner als erstes die Eltern der Kinder in einer E-Mail über die Vorfälle. Darin heißt es: "Wir hoffen, dass unser Bestreben nach weitgehender Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebs, vor allem nach genauer Lagebeurteilung durch die Polizei, auf Ihr Verständnis stößt." Tatsächlich habe er bis Donnerstagmittag keine gegenteiligen Rückmeldungen von den Eltern erhalten, so Höhenleitner.

Droh-Schmiererei am Gymnasium Markt Indersdorf: Schulleiter Thomas Höhenleitner zeigt sich beeindruckt von der Reaktion seiner Schülerinnen.

Schulleiter Thomas Höhenleitner zeigt sich beeindruckt von der Reaktion seiner Schülerinnen.

(Foto: Toni Heigl)

Am Donnerstag hätten die Lehrkräfte in der ersten Stunde mit ihren Schülerinnen und Schülern über die Situation gesprochen, erzählt Höhenleitner. Er habe die Lehrer aufgefordert, die Vorfälle darzulegen und zu erklären, dass zu jedem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit mit Polizei bestanden habe. Zudem habe es für besonders belastete Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit gegeben, sich eine Auszeit zu nehmen und einzeln nach Unterstützung zu fragen. Dieses Angebot habe die Schülerschaft aber bis zum Mittag noch nicht wahrgenommen. Besonders beeindruckt zeigte sich Höhenleitner von den Schülerinnen, die die Schmiererei entdeckten. "Es war genau richtig, das zu melden", sagte er. Die Schülerinnen hätten zudem "tapfer durchgehalten" und nichts weitererzählt. Zwar sei es unter der Schülerschaft zu Gerüchten gekommen, weil auch andere die Schmiererei entdeckt hätten, Panik sei aber nicht ausgebrochen.

Unklar bleibt unterdessen, ob die Amok-Androhung womöglich von einer TikTok-Challenge inspiriert wurde. Bereits Ende des vergangenen Jahres berichteten verschiedene Medien von ähnlichen Vorfällen. Damals hatten die Coburger Polizei und die Leitung des Schulzentrums Haßfurt vermutet, dass Kinder und Jugendliche von Videos in dem sozialen Netzwerk TikTok angestiftet wurden, in Toiletten Amokläufe mit der Absicht anzukündigen, Angst und Chaos zu stiften.

Zur SZ-Startseite

SZ Plus20. Jahrestag des Amoklaufs von Eching und Freising
:"Der Täter muss aufhören, auf Leute zu schießen"

Bis in die 2000er-Jahre war die Regel bei einem Amoklauf: Streifenbeamte sichern den Tatort und warten, bis eine Spezialeinheit eintrifft. Dann passierten Freising und Erfurt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB