EnergiewendeWasserstoff aus Markt Indersdorf

Lesezeit: 3 Min.

Eine eigene Gas-Pipeline wie diese von Wertingen nach Kötz zwischen  Bayern und Baden-Württemberg braucht es in Markt Indersdorf nicht. Hier soll der erzeugte Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden.
Eine eigene Gas-Pipeline wie diese von Wertingen nach Kötz zwischen  Bayern und Baden-Württemberg braucht es in Markt Indersdorf nicht. Hier soll der erzeugte Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden. (Foto: Stefan Puchner/dpa)

Schon seit mehr als 20 Jahren stellt Landwirt Josef Götz Strom aus Biogas her. Jetzt will er in die Produktion eines weiteren nachhaltigen Energieträgers einsteigen.

Von Alexandra Vettori, Markt Indersdorf

In vierter Generation betreibt die Familie Götz ihren landwirtschaftlichen Betrieb in Markt Indersdorf. Ackerbau und Schweinemast waren früher die Haupterwerbszweige. Heute heißt der Betrieb „Agrardienst Götz“ und setzt schon lange auf erneuerbare Energien. Bereits 2001 ist die erste Biogasanlage zur Stromproduktion in Betrieb gegangen. Und jetzt will der Familienbetrieb ein neues Kapitel aufschlagen und zusammen mit namhaften Partnern auch Wasserstoffproduzent werden.

Vorige Woche hat Josef Götz im Marktgemeinderat sein Konzept noch einmal vorgestellt, die planerischen Voraussetzungen für den nächsten Schritt in die Zukunft hatte der Rat da ohnehin schon geschaffen: Es gibt eine Flächennutzungsplanänderung und eine Bauleitplanung für den Energiepark Ried, in dem nicht nur eine rund sieben Hektar große Freiflächen-Fotovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von über sieben Megawatt entstehen soll, sondern auch ein Elektrolyseur mit einer elektrischen Leistung von fünf Megawatt. Mit einem solchen Gerät wird Wasser mittels Strom durch Elektrolyse in seine Bestandteile zerlegt. Mit der im geplanten Energiepark Ried vorgesehenen Größe können aus dem Sonnenstrom von nebenan 530 Tonnen grüner Wasserstoff im Jahr gewonnen werden.

Partner mit Know how

„Wir haben uns Partner mit Know-how gesucht“, erzählt Josef Götz am Telefon. Gefunden hat er die ESB-Gruppe, kurz für Energie Südbayern, als finanziellen Partner, und als Planer und Projekteur die Siemens AG. Für Bau und Betrieb der Anlage wird eine eigene Betreibergesellschaft gegründet. Seit zwei Jahren sei man intensiv in Kontakt, so Götz. Auch der Gasverteilnetzbetreiber Energienetze Bayern sitzt mit im Boot. Die ersten Überlegungen zur Produktion grünen Wasserstoffs hat Josef Götz schon vor sechs Jahren angestellt. Inzwischen ist ein sehr konkreter Plan daraus geworden. Auf einem zehn Hektar großen Grundstück neben seinem Betrieb sind rund sieben Hektar für einen Solarpark vorgesehen, zwei Hektar für Ausgleichsmaßnahmen und ein Hektar für den Elektrolyseur.

Im ersten Ausbauschritt ist geplant,  den gewonnenen Wasserstoff in das bestehende Erdgassystem einzuspeisen. Die reguläre Erdgasleitung samt Gasübergabestation liegt nur 700 Meter vom Hof entfernt, das ermöglicht eine problemlose Einspeisung des erzeugten Wasserstoffs. Dadurch könnten laut einer Mitteilung der Energie Südbayern künftig rund 2500 Gaskunden im Raum Markt Indersdorf-Hohenkammer anteilig mit dem nachhaltigen Energieträger versorgt werden. Bis zu 20 Prozent Wasserstoff können maximal in das Gasnetz eingespeist werden. Die Obergrenze setzen die Gasthermen bei den Endkunden, sie müssten bei einem höheren Grad an Beimischung technisch nachgerüstet werden.

Der zweite Ausbauschritt bei der Wasserstoffproduktion in Ried ist dann eine Anlage, von der aus Lastwägen befüllt werden können, die den Wasserstoff zu Tankstellen oder Industriebetrieben bringen.

Eine Art Katalysator für das Projekt sei im Vorjahr die Förderzusage des Bayerischen Wirtschaftsministeriums gewesen, sagt Josef Götz. Man sei aus über 40 Bewerbern um die Förderung zusammen mit zehn anderen Projekten ausgewählt worden, berichtet der Energiewirt. Gelobt wurde von der Jury vor allem, dass die Erzeugung von regionalem, regenerativem Strom mit der Herstellung von grünem Wasserstoff ohne lange Transportwege geschehe. Fünf Millionen Euro erhält das Projekt aus dem Bayerischen Elektrolyseförderprogramm, das es seit einigen Jahren gibt. Wie viel insgesamt in den Energiepark Ried investiert wird, will Götz aber nicht verraten.

Josef Götz und sein Sohn Maximilian (l.) versorgen derzeit rund 3500 Kunden mit Strom und beheizen über 80 Gebäude in Markt Indersdorf mit Fernwärme aus Biogas. 
Josef Götz und sein Sohn Maximilian (l.) versorgen derzeit rund 3500 Kunden mit Strom und beheizen über 80 Gebäude in Markt Indersdorf mit Fernwärme aus Biogas.  (Foto: Toni Heigl)

Am liebsten würde Josef Götz schon nächstes Jahr mit dem Bau des Energieparks beginnen, doch das Genehmigungsverfahren ist umfangreich. Bei einem ersten Abstimmungstreffen im Dachauer Landratsamt seien zahlreiche Fachbehörden dabei gewesen. Der Austausch aber, lobt, Götz, „läuft sehr, sehr gut“. Vonseiten der Gemeinde erfährt er ebenfalls volle Unterstützung. Allerdings, betont Klaus Mayershofer, Geschäftsführer der Gemeinde Markt Indersdorf, auf Nachfrage, habe das Rathaus außer bei der Bauleitplanung bei den nun folgenden Genehmigungen nichts zu sagen.

Mayershofer kann sich gut vorstellen, dass die Genehmigungen dauern, „das ist für alle Beteiligten Neuland“. Im Marktgemeinderat, erzählt er, habe jedenfalls so mancher geschluckt, als deutlich wurde, dass für die Elektrolyse reines Trinkwasser benötigt wird, das nach der Wasserstoffgewinnung eventuell in der Kläranlage landet. Außerdem sei seines Wissens auch noch nicht klar, ob das Restwasser nicht doch versickern dürfe. Zumindest von der Kapazität her, seien die prognostizierten 5000 Kubikmeter im Jahr aber kein Problem, versichert er.

Der Finanzgeber, die ESB, ist insgesamt an sechs Projekten in Bayern beteiligt, darunter das mit dem Agrardienst Götz. Der regionale Energieversorger setzt auf den Aufbau heimischer Erzeugungsanlagen, im Portfolio der Zukunft soll es für Haushalts- und Industriekunden künftig auch klimaschonenden Wasserstoff geben. Bei der Übergabe der Förderurkunden des Elektrolyseförderprogramms betonte Marcus Böske, Sprecher der Geschäftsführung bei ESB: „Unsere Projekte werden zeigen, dass der Einsatz von lokal produziertem Wasserstoff technisch und wirtschaftlich möglich ist.“ Für den ebenfalls anwesenden Josef Götz mag das wie Musik geklungen haben.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Straßenbau
:Öko-Asphalt aus Altomünster

Straßenbau Schweiger betreibt Deutschlands erstes Asphaltmischwerk, das mit regenerativer Energie arbeitet. Hier wird Holzstaub statt Heizöl verfeuert. Jetzt hat der Betrieb aus Altomünster den Fuhrpark auf Diesel aus Speiseresten umgestellt.

SZ PlusVon Alexandra Vettori

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: