MAN arbeitet an einem Maßnahme-Paket Auf der Suche nach Lösungen

Einleitung von Grundwasser soll in Karlsfeld nicht zu überschwemmten Kellern führen

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Die Karlsfelder Häuslebesitzer können aufatmen - zumindest vorerst. Die Stadt München nimmt den Aufruhr im Nachbarort und die Sorgen der Leute ernst, bald bei jedem größeren Regenguss Wasser im Keller zu haben. "Man versucht Lösungen zu finden", berichtete Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) am Dienstag im Gemeinderat. Im Rahmen eines intensiven Gesprächs bei der Stadt, an dem auch die MAN Bus & Truck AG und das Wasserwirtschaftsamt teilgenommen haben, habe man am Mittwoch lange über das Vorhaben des Unternehmens debattiert, das im großen Stil Grundwasser zur Kühlung von Produktion und Gebäuden entnehmen und später leicht erwärmt wieder in den Boden abgeben will. Dabei soll es im schlimmsten Fall zu einer Erhöhung des Grundwasserspiegels um bis zu 50 Zentimeter kommen. Da der Spiegel in Karlsfeld jedoch ohnehin sehr knapp unter der Oberfläche ist, kann das bereits Hochwasser bedeuten.

Die MAN soll nun mit Hilfe eines Experten ein Maßnahmenpaket erarbeiten, um dies zu verhindern, so das Ergebnis des Gesprächs. Man will auch ein Frühwarnsystem installieren, das mit den Fachbehörden abgestimmt werden soll, so Kolbe. Die Erlaubnis für die Einleitung von fast zehn Millionen Kubikmetern Grundwasser nahe der Gemeindegrenze, die die Stadt München Anfang Juni erteilt hatte, ist indes noch nicht rechtskräftig. Die Klage, die Karlsfeld am 9. Juli erhoben hatte, hat aufschiebende Wirkung, erklärte der Karlsfelder Bürgermeister. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Bescheid aufgehoben ist. Noch hat die Gemeinde die Klage nicht begründet. Der Anwalt der Kommune arbeitet noch an einer stichhaltigen Argumentation. Doch das werde schwierig, habe der Jurist bereits durchblicken lassen. Nach dessen Rechtsauffassung hätten die Bürger weit größere Chancen auf eine erfolgreiche Klage. Das Problem sei die Betroffenheit. Doch viele Karlsfelder fürchteten die gigantischen Kosten, die damit verbunden seien. "Wir sind dabei Familien zu finden für eine Klagebegründung", sagte Kolbe. Wenn die Kommune keine Handhabe finde für den Rechtsweg, könne man versuchen, die Klagenden zu unterstützen, signalisierte der Bürgermeister. "Wichtig ist aber, dass wir das Zeichen gesetzt haben und die Stadt für die Problematik sensibilisiert haben." Es werde nun intensiv nachgearbeitet. München hat zudem versprochen, künftig transparent mit dem Thema umzugehen. Geplant ist nun eine Informationsveranstaltung in Karlsfeld, bei der die Bürger die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen.

Mechthild Hofner (Bündnis für Karlsfeld) wollte wissen, warum zuvor eigentlich keine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht worden sei. Die MTU hatte eine solche vorgelegt, bevor die Erlaubnis zur Entnahme des Grundwassers erteilt wurde. "Diese ist erst ab zehn Millionen Kubikmeter gesetzlich vorgeschrieben. MAN bleibt jedoch knapp unter diesem Wert", erklärte Kolbe. Adrian Heim (Bündnis) forderte künftig eine frühere und bessere Information mit Kartenmaterial im Rahmen eines eigenen Tagesordnungspunkts im Gemeinderat. In der vergangenen Sitzung hatten Bürger das Thema angesprochen. Auch Bernd Rath (Bündnis) hatte dies bereits bemängelt. Kolbe war sehr erzürnt über dessen Vorwurf, dass er das Bündnis als kleine Fraktion nicht ernst nehme: "Das ist eine Unverschämtheit. Wir behandeln alle gleich", versicherte er.