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Malen mit elf Monaten:Kunstmarkt für Anfänger

Pia, Sina und Tim haben in der Kindervilla ihre Kunstwerke an ihre Eltern verkauft: Was am Kühlschrank hängt, soll auch einen materiellen Wert haben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In der Kindervilla Sankt Klara in Dachau können schon die Kleinsten kreativ mit Farbe arbeiten. Ihre Werke werden verkauft, selbst die Eltern müssen zahlen. Das hat einen guten Grund.

"Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie sind wertungsfrei", so sieht es Künstlerin und Erzieherin Tina Glanz. Sie empfindet ihre Arbeit als eine Inspiration. Während sie das sagt wuseln mehrere Kinder aufgeregt um sie herum. Teils sind sie elf Monate alt und können sich kaum selbst auf den Beinen halten. Andere sind schon sechs Jahre alt und kennen die Kindervilla St. Klara in Dachau seit mehreren Jahren. Nun präsentieren sie alle gemeinsam in einer Vernissage ihr Projekt "Viele kleine Kinder werden große Künstler".

An den Wänden hängen bunte Bilder, an die 80 Stück. Etwa 60 Kinder der sechs verschiedenen Gruppen, fünf Krippen und eine Kindergartengruppe, arbeiteten seit vergangenem Oktober mit Tina Glanz und ihrer Kollegin Bianca Mayr an den farbenfrohen Werken. Die Idee bei dem freiwilligen Projekt sei gewesen, dass die Kinder experimentieren, sagt Glanz. Es wäre wichtig für die Sprösslinge "mit allen Sinnen zu erleben, die Kreativität zu fördern, frei und offen zu sein." Die Erzieherin überlegte sich deshalb zu Anfang, welche Materialien und Techniken zu welcher Altersgruppe passen. So kamen Pappmaschee, Murmeln, Spiegel und eine Drehscheibe zum Einsatz. Dann ging sie mit ihren jeweiligen Utensilien vor die Gruppe und wer wollte, konnte mitmachen. Manche Kinder seien gleich dabei gewesen, andere hätten lieber zunächst von der Ferne der künstlerischen Arbeit zugeschaut, teils hatten Kinder auch Berührungsängste - besonders mit dem matschigen Pappmaschee, berichtet Glanz. Aber für alle war "das Entstehen der Bilder gigantisch, wie Zauberei."

Das Entstehen der Bilder sei für die Kinder "wie Zauberei" gewesen, sagt die Erzieherin. Magisch sind auch die Motive.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Ergebnisse, die Kunstkritiker wohl - wenn sie von Picasso oder Miró wären - als abstrakte Meisterwerke bezeichnen würden, haben jedoch, wie alle wertvollen Gemälde, ihren Preis. Denn damit die Eltern nicht schon wieder ein nächstes Bild daheim haben, ohne es groß zu beachten, haben sich die beiden Erzieherinnen überlegt, dass jedes Bild käuflich erworben werden muss - auch von den eigenen Eltern. 3,50 Euro kosten die Bilder des künstlerischen Nachwuchses. Der Erlös kommt der Kunstwerkstatt der Kindervilla zugute, um weitere Projekte wie dieses zu ermöglichen.

Die Leiterin der Villa, Angelika Bachhuber, betont in Ihrer Begrüßungsrede, dass es eine "Ausstellung der besonderen Art" ist. Denn alle Kinder des Hauses vereinten sich in einem "aktiven, gemeinsamen Tun". Sie konnten mit den verschiedensten Materialien, Farben und Techniken experimentieren und sie entdecken. Und zuletzt sei auch das pädagogische Ziel der Einrichtung des Franziskuswerkes Schönbrunn zentral.

"Ich bin wert, ich tue etwas, ich kann etwas", diese Anerkennung sollen die kleinen Künstler erleben, sagt Bachhuber. Abschließend zitiert sie einen berühmten Meister der Abstrakten Kunst, Pablo Picasso: "Jedes Kind ist ein Künstler. Die Schwierigkeit besteht darin, als Erwachsener einer zu bleiben." So zeigen die Nachwuchs-Picassos mit stolzem Blick ihre Arbeit den Eltern, welche bereitwillig und sichtlich stolz die Kunstwerke erwerben. Die Künstlerin Tina Glanz ist zufrieden. Die Kinder hätten viel Freude gehabt, seien oft zu ihr gekommen und wollten wissen, wann sie denn das nächste Mal malen dürfen. Somit steht für Glanz fest: "Wir sollten mehr gruppenübergreifende Projekte machen."

Vielleicht kommen die Kleinen ja später in der Kunstszene groß raus: Die kreative Förderung in der Kindervilla St. Klara schafft für die künstlerische Bildung jedenfalls eine gute Grundlage.

© SZ vom 17.03.2015
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