Ludwig-Thoma Haus Humor ohne Tiefgang

Kabarettist Stefan Kröll will vor allem eines: unterhalten

Von Renate Zauscher, Dachau

Was haben Adele Spitzeder, Erdställe oder der Bayerische Hiasl miteinander gemeinsam? Eigentlich nicht allzu viel, würde man denken. Einer, der das anders sieht, ist Stefan Kröll, Kabarettist aus der Chiemsee-Gegend, dem es gelingt, diese und eine ganze Reihe anderer Zutaten kräftig mit einander zu vermischen und daraus ein Abend füllendes Programm zu bauen. "Gruam - Bayern von unten" hat Stefan Kröll es genannt; am Donnerstag stand er damit auf der Bühne des Thoma-Hauses in Dachau.

Für alle, die des Bairischen nicht so ganz mächtig sind: "Gruam" heißt so viel wie "Grube" und soll das Dunkel der Geheimnisse andeuten, die Kröll ergründen will. Es geht ihm um Mystisches und Rätselhaftes, um Volks- und Aberglaube, die, oft verdrängt, in den unteren Schichten der bayerische Geschichte schlummern. Ein großes Thema: Bei vielem von dem, was Kröll in seinem Programm eher wahl- und übergangslos zusammenmischt, würde sich eine nähere Betrachtung durchaus lohnen. Die Erfinderin des finanziellen Schneeballsystems, Adele Spitzeder, oder die "Doktorbäuerin" aus Mariabrunn, Amalie Hohenester, sind als große Betrügerinnen interessante Persönlichkeiten. Und erst die Sache mit den Erdställen, faszinierende unterirdische Gangsysteme, deren Bedeutung und frühere Nutzung bis heute nicht wirklich geklärt ist.

Stefan Kröll aber steigt nicht wirklich hinunter in die "Gruam", um "Bayern von unten" zu beleuchten. Er bleibt im Anekdotenhaften stecken, erzählt mal von der heiligen Afra aus Augsburg, die von der Prostitution zur Ehre der Altäre aufgestiegen ist, mal von schwarzen Hunden als Todesboten, um dann wieder ganz banale Alltagsbeobachtungen einzuflechten. Es geht ihm schließlich um ganz anderes als volkskundliche Erkenntnisse: Er will vor allem eines - unterhalten.

Und das kann Stefan Kröll durchaus. Er plaudert locker daher, macht, immer in schönem oberbairischen Dialekt, mal bessere, mal schlechtere Scherze, freut sein Publikum mit lustigen Geschichten, in denen jeder sich selbst oder seinen Partner, seine Partnerin wiederfinden kann. Etwa in dem Mann, dem es wie Kröll selber absolut "z`wider" ist, sich "G`wand" kaufen zu müssen und dabei auf allzu lästiges Verkaufspersonal zu stoßen. Oder dem "bunten Hund von einst", der im Lauf der Jahre zum "Semmel-über-dem-Spülbecken-Aufschneider" mutiert ist. Seitenhiebe auf die Politik, auf unsere Gesellschaft oder Gedanken zum Leben als solches: bei Stefan Kröll Fehlanzeige. Aber dem Publikum gefällt es: Es wird viel gelacht im voll besetzten Saal des Thoma-Hauses. " Vielleicht ist es ja gerade in nicht so lustigen Zeiten sehr erholsam, einfach mal lachen zu dürfen, auch ohne Anspielungen auf die nicht so unterhaltsamen Aspekte des täglichen Lebens.