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Liederabend:Komponisten im Gespräch

Klänge aus Böhmen und Mähren

Premiere für einen Schimmel-Konzertflügel. Dazu die Stimmen von Regina Klapper, Christel Borchers, Anton Rosner und Gottfried Rühlemann.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Schüler am Josef-Effner-Gymnasium nähern sich Musikerpersönlichkeiten durch deren Biografien

Einen klassischen Liederabend zu veranstalten, ist für eine Schule eher ungewöhnlich. Auch wenn es sich um eine höhere Bildungsanstalt wie das Josef-Effner-Gymnasium (JEG) handelt. Und doch war es bereits das vierte Mal, dass Gudrun Forstner, Oberstudienrätin für Musik an der Schule, zu Beginn des Jahres einen solchen klassischen Liederabend organisierte. Eingerahmt in die bewährte Schultradition der "wissenschaftlichen Reihe", die den Schülern regelmäßig Gelegenheit gibt, über ein wissenschaftliches Thema einen Vortrag zu halten.

Dass diese nicht immer nur den Kopf, sondern wie bei der Musik und der Poesie auch das Herz und die Emotionen ansprechen können, unterstrich Schulleiter Peter Mareis bei der Begrüßung. Dass er sich auf den besonderen Abend mit Klängen aus Böhmen und Mähren mit fünf Textsprechern aus der Q12 freute, war ihm anzumerken. Dies lag, neben der hochkarätigen Besetzung mit vier erfahrenen Gesangskünstlern, insbesondere auch an dem makellos glänzenden schwarzen Konzertflügel der Marke Schimmel, der an diesem Abend Premiere feierte. "Was hat dieser Flügel für ein Glück, liebe Frau Forstner, dass gerade Sie ihn einweihen werden", sagte Mareis charmant in seiner so kurzen wie herzlichen Eröffnungsansprache.

Im Parkettbereich, dem mit Bühne und Lichtanlage ausgestatteten, abgetrennten Teil der Schul-Aula, überließen die zahlreichen jugendlichen Zuschauer und Zuhörer dem älteren Publikum die ersten drei Stuhlreihen. Das zeigte ihr Interesse, aber auch etwas Distanz der Jugendlichen zu dem, was ihre Musiklehrerin, die vier Sänger und die Mitschüler da auf der Bühne veranstalten sollten.

Musikern vor allem aus Böhmen und Mähren war der Abend gewidmet. Dazu wurden Werke Béla Bartóks und von Johannes Brahms arrangiert. In einer kleinen Theatereinlage stellte zu Beginn Emely Luksch als Béla Bartók, Sophia Ostermeier als Antonín Dvořák, Julia Philipp als Josef Suk, Julian Treue als Leoš Janáček und Constantin Weber als Johannes Brahms die Komponisten in Dialog-Texten vor. Dass diese teils in Tagesbuch-, teils in Briefform verfassten Texte sich anhörten, als wären sie von den sechs honorigen Herren aus dem 19. Jahrhundert selbst verfasst worden, ist das Verdienst der Opernsängerin und Gesangspädagogin Christel Borchers, aus deren Feder sie stammen. Sie verantwortete das Gesamtkonzept des Abends und somit auch die Auswahl der Lieder. Dazu war sie die Alt-Stimme des Sängerquartetts, Berufssängerin Regina Klapper der Sopran, Anton Rosner, ehemaliges Mitglied des BR-Rundfunkchors, der Tenor und der ehemalige Domspatz Gottfried Rühlemann der Bass. Alle waren auch schon bei den vorigen Liederabenden dabei und zeigten sich auch bei diesem Auftritt glänzend aufgelegt. Kleppers Sopran war besonders kraftvoll und auch ihre Mimik überzeugend ausdrucksstark.

Präzise und wohltuend zurückhaltend begleitet von Gudrun Forstner am Flügel hatten die Sänger mindestens doppelt so viel Bühnenzeit wie die Schüler. Und doch muss man besonders anerkennen, mit welcher Glaubwürdigkeit, Authentizität und ungekünstelter Präsenz die jungen Schauspieler ihre Aufgabe meisterten. Béla Bartóks Werke markierten den Anfangs- und Schlusspunkt. Zu Beginn schwadronierte er noch als überzeugter Nationalist gegen das österreichisch-habsburgische Kaiserreich und wollte ausschließlich ungarische Musik und Folklore verbreiten. Am Ende, geläutert, schwärmte er von musikalischer Vielfalt und er war es schließlich, der die unterschiedlichsten Einflüsse in seiner Musik verarbeitete.

Für das Publikum ergab sich durch die launigen Bühnengespräche der Komponisten die Erkenntnis, dass diese sechs Schwergewichte der klassischen Musik tatsächlich alle irgendwie miteinander zu tun hatten. Borchers hatte sich zuvor ausgiebig mit den Biografien beschäftigt und so konnte man auch die Liedtexte sowie deren mal stürmischen, häufig romantischen, gelegentlich auch melancholischen Ausdruck besser verstehen. Alle Liedtexte wurden in der deutschen Übertragung gesungen - in Ergänzung zu den biografischen Texten.

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