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Lichter-Demo:Kampf ums Moos

Die Pläne für ein Gewerbegebiet im Grünzug zwischen Dachau und Karlsfeld liegen auf Eis, wirklich begraben sind sie noch nicht. 80 Bürger demonstrieren für den Erhalt des Moosgebiets - und bekommen Besuch von unerwarteter Seite.

Von Walter Gierlich

Etwa 80 Personen demonstrierten trotz Kälte gegen die Bedrohung des regionalen Grünzugs.

(Foto: joergensen.com)

Von der Kälte ließen sie sich nicht abhalten. Und auch nicht vom Stress der Vorweihnachtszeit. Etwa 80 Karlsfelder und Dachauer machten sich am Donnerstagabend nach Einbruch der Dunkelheit mit Fackeln, Kerzen oder Laternen auf eine gut einstündige Lichterwanderung entlang der nördlichen Grenze des regionalen Grünzugs zwischen der Großen Kreisstadt und der Nachbargemeinde. Organisiert hatte den Umzug vom Tiefen Graben zur Kufsteiner Straße und zurück die Bürgerinitiative (BI) "Grünzug Dachau+Karlsfeld". Gekommen war auch zahlreiche Kommunalpolitiker, darunter nicht nur die Fraktionschefs von SPD und Grünen im Stadtrat, Christa Keimerl und Thomas Kreß, sowie die Dachauer Umweltreferentin Sabine Geißler, sondern auch der Landratskandidat der CSU, Stefan Löwl.

Die BI wollte damit zum einen an den Bürgerentscheid erinnern, mit dem auf den Tag genau drei Jahre zuvor ein von der Gemeinde Karlsfeld geplantes Gewerbegebiet in dem Gebiet verhindert worden war. Zum anderen aber wollte die Initiatoren auf neue Gefahren hinweisen, die der Freifläche zwischen den beiden dicht besiedelten Kommunen drohen. "Die Entwicklungen sind so, dass wir uns wieder melden müssen", sagte die Karlsfelder Ortsvorsitzende des Bunds Naturschutz, Marion Matura-Schwarz. Ganz konkret kritisierte sie den Bau einer Maschinenhalle mitten im Grünzug, die als privilegiertes landwirtschaftliches Vorhaben genehmigt worden sei. Was - ganz legal - nach einigen Jahren aus einer solchen landwirtschaftlichen Halle werden kann, zeigte sie an der ersten Station des Rundgangs. Wo eigentlich bäuerliches Gerät stehen sollte, werden Campingwagen verkauft. "Maschinenhallen sind zweckentfremdet für einen Fachmarkt, der sich nach und nach ausweitet", sagte Matura-Schwarz.

Zweckentfremdet war auch der Kinderwagen, mit dem ein Lautsprecher transportiert wurde, damit die Teilnehmer die kurzen Ansprachen an den einzelnen Stationen hören konnten. Der Grünzug soll Freiräume sichern, als Klimaschneise dienen und Rückzugs-und Austauschgebiet für Pflanzen und Tiere sein, erläuterte die BN-Vorsitzende. Mit Blick auf den geplanten Umzug des TSV 1865 Dachau wies Sabine Kölbl-Miersch auf die zunehmende Bodenversiegelung hin. 16,4 Hektar oder 23 Fußballplätze täglich würden in Bayern bebaut oder asphaltiert, so dass landwirtschaftliche Flächen bereits knapp würden. Marion Schmidt nannte das Dachauer Moos ein Rückzugsgebiet für viele Tierarten, das aber scheibchenweise reduziert werde. Auch CSU-Mann Löwl sah das kritisch: Er hält ein Gesamtkonzept für notwendig.

© SZ vom 21.12.2013
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