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Letzte Ausstellung in Edenholzhausen:Abschied vom Landatelier

Seit 15 Jahren arbeitet die Bildhauerin Christiane Demenat im alten Stallgebäude Edenholzhausen. Nun wurde ihr gekündigt. An diesem Samstag gibt es noch einmal eine Werkschau von 19 Künstlern

Eigentlich sollte es lediglich eine Werkschau werden - jetzt wird daraus ein Abschied: Die Ausstellung im "Landatelier" von Christiane Demenat mit eigenen Arbeiten und solchen ihrer Werkstattgruppe wird die letzte sein, die in Edenholzhausen bei Schwabhausen stattfindet. Bis zum kommenden März haben Demenat und ihre Schüler, mit denen sie zum Teil schon seit Jahren zusammenarbeitet, noch Zeit, das ein oder andere Projekt fertigzustellen, dann wird das große ehemalige Stallgebäude des Göttler-Hofs anderweitig genutzt.

Vor 15 Jahren kam Demenat in die Gemeinde Schwabhausen: Sie hatte nach Räumen gesucht, wo sie neben ihrem Münchner Atelier auch am Wochenende oder abends, vor allem gemeinsam mit anderen als Bildhauerin arbeiten kann. Das Angebot der Familie Göttler in Edenholzhausen habe sich als absoluter Glücksfall erwiesen: "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt die Künstlerin. Der Blick in die Weite, der große ehemalige Kuhstall mit seiner gewölbten Decke und der schönen Säulenunterteilung: Sie hätten ihr die Möglichkeit geboten "in die Größe zu wachsen". Hier habe sie gemerkt, "wie wichtig Räume sind, innere und äußere". Sie sei der Familie Göttler deshalb sehr dankbar für das, was sie hier bekommen habe.

Christiane Demenat hat sich in den 15 Jahren, die sie in Edenholzhausen ist, künstlerisch in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Anfangs hat sie fast ausschließlich mit Stein gearbeitet, mittlerweile aber wieder angeknüpft an die Beschäftigung mit dem Material Holz, mit dem sie schon in ihrer Ausbildung gearbeitet hat. Sie hat begonnen, mit Lichtinstallationen in Kombination mit Holz und Stein zu experimentieren, und seit einigen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema der "Umstülpung", bei dem Altes, Überholtes zurückgelassen wird, um neuen, differenzierteren Lebens- und Kunstformen Platz zu machen. Demenat will die Kraft, die sich seit Anbeginn allen Lebens in diesem Prozess der Fortentwicklung manifestiert, sichtbar machen, will das "eigentlich nicht fassbare Geheimnis der Form-Bildung", des Neuentstehens, - egal, ob im Mutterleib oder im Kokon, aus dem der Schmetterling schlüpft - "erforschen und ein Stück weit erahnbar machen".

Auch die Menschen, mit denen Christiane Demenat zusammenarbeitet, sollen sich auf Entdeckungsreise begeben: in ihr Inneres, das sich, jeweils ganz unterschiedlich, in der künstlerischen Arbeit ausdrückt. 19 Männer und Frauen aus einem Meisterkurs und einer Weiterbildungsgruppe zeigen am Samstag ihre Arbeiten. Zu ihnen gehören Bildhauerinnen wie Ursula Müller, die aus einem Eichenstamm ein großes, eng aneinander geschmiegtes, Tango tanzendes Paar gestaltet hat, oder Monika Wiemers, die sich mit dem Thema "Wasser" beschäftigt. Oder Frauen wie Tatjana Sonderwald, die entweder aus Pflastersteinen kleine menschliche Porträtköpfe oder aus einem Alabasterblock ein weiteres menschliches Antlitz herausgearbeitet hat. Joachim Brezowsky lässt dem Stein weitestgehend seine natürlich Form, entdeckt in ihm aber ebenfalls das menschliche oder, wie im Fall eines angedeuteten Vogelkopfes, das tierische Abbild. Werner Brender stellt zwei "Taschen" aus Marmor aus: stark auf das Wesentliche reduzierte "Gegenstände" des Alltags, die "gefüllt" sind und die Fülle dessen symbolisieren sollen, was die Natur uns gibt. Mit dem kunstvollen Material eines Wespennestes hat Anne Brender menschliche Figuren in verschiedenen Haltungen und Bewegungsabläufen gestaltet, mit Holz und Stein arbeitet Johanna Boscher und mit Fundstücken aus der Natur Traudl Brumbauer - um nur einige der ausstellenden Künstler und Künstlerinnen zu nennen. Jeder einzelne von ihnen ist dabei, seinen ganz eigenen persönlichen Stil zu entwickeln. Dabei sind teils abstrakte, teils auch realistische Abbilder wie etwa die Porträtbüsten von Agnes Streber entstanden.

Christiane Demenat zeigt neben einer großen Holzstele, in der das Thema der "Umstülpung" in ihrer Ausrichtung nach oben, dem Himmel zu, behandelt wird, gut ein halbes Dutzend kleine Terrakotta- Plastiken zum gleichen Gedanken: Aus menschlichen Figuren, oft nur einem Torso, entwickelt sich durch eine "Umstülpung" etwas ganz Neues, unerwartet Anderes.

Auf die Kündigung ihres Ateliers in Edenholzhausen habe sie zunächst mit einer Art Schockstarre reagiert, erzählt Demenat, schließlich habe sich das so angefühlt, als ob ihr der Boden unter den Füßen entzogen worden sei. Aus ihrer Arbeit mit dem Stein aber weiß die Bildhauerin, dass man gegen Widerstände ankämpfen muss. Der Schock sei der Dankbarkeit für das gewichen, was sie hier, an diesem so besonderen Ort, bekommen habe. Und sie weiß auch: "Umstülpungen" gehören zum Leben. Und so sucht Christiane Demenat jetzt also nach einem neuen Domizil, das nicht allzu weit von München und ihren Schülern entfernt liegen sollte. Und sie ist sich sicher: Sie wird es finden.

Die Werkschau im Edenholzhausener "Landatelier" von Christiane Demenat findet heute, an diesem Samstag, 20. Juli, statt. Insgesamt 19 Frauen und Männer, von denen die meisten nebenberuflich künstlerisch tätig sind, zeigen dabei ihre neuen Arbeiten. Die Ausstellung ist nur heute in der Zeit von 17 bis 21 Uhr geöffnet.