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Lesung im Effner-Gymnasium:Kim und ihre Freunde

Lesen und begreifen: Die Achtklässler können sich gut in die Geschichte von Stefanie Neeb einfühlen.

(Foto: Toni Heigl)

Stefanie Neeb liest am Effner-Gymnasium aus ihrem Buch vor. Ganz nebenbei erfahren die Schüler, wie eine Autorin arbeitet und warum die Hauptfigur so agiert und nicht anders

Die Achtklässler sind begeistert: Stefanie Neeb hat Abwechslung in ihren tristen Schulalltag am Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) gebracht. Am Dienstag las sie den Schülern aus ihrem Buch "Und wer rettet mich?" vor. Darin geht es um die normalen Wirren des Erwachsenwerdens, die Liebe, die Familie, die Schule. Aber eben auch um einen dramatischen Brand, von dem niemand weiß, wer ihn warum gelegt hat. 2018 hatte Neeb den Roman veröffentlicht. Er begeisterte viele und kurz darauf war sie als junges Talent für den Paul-Maar-Preis nominiert.

Für Neeb ist die Lesung in Dachau eine besondere Freude: "Für mich ist es toll, hier zu sein, weil ich früher selbst hier gewohnt habe", erzählt die Autorin den Achtklässlern. Zwischen den Textpassagen stellt Organisatorin Cornelia Schader Neeb immer wieder Fragen. Die Schüler sollen einen Einblick bekommen, in die Arbeitsweise der Autorin. Außerdem sollen sie erfahren, was hinter den Figuren steckt.

Stefanie Neeb war Lehrerin an verschiedenen Hauptschulen, unterrichtete dort auch Deutsch als Fremdsprache, deshalb kennt sie den Handlungsort Schule sehr gut. Es freut sie, dass andere Lehrkräfte ihr Buch nun als Schullektüre einplanen. Vor kurzem hat eine Klasse sogar eine Prüfung über ihren Roman. Das war das erste Mal.

Ihre Zuhörer am JEG kennen die Geschichte noch nicht. Es herrscht gespannte Ruhe im Raum, als Stefanie Neeb anfängt, vorzulesen. Sie beginnt mit einem fiktiven Polizeibericht, der den Brand beschreibt, bei dem eine Scheune vollkommen zerstört wird. Dummerweise findet just in dem Moment dort die Abiturfeier der Protagonistin Kim statt. Ihr Freund Jasper wird dabei als einziger der Schüler verletzt. Kim ist nicht bei ihm. Sie trifft sich gerade mit Ben, ihrem früheren Schwarm, der nach langer Reise unerwartet in die Stadt zurückgekehrt ist. Diese Dreierkonstellation und die Frage, wer denn nun der Richtige für Kim ist, ist eines der zentralen Themen des Romans. Aber es geht auch darum, zu klären, wer den Brand gelegt hat. Denn es wird schnell klar, dass das Feuer kein Versehen, der Tathergang kein Unfall war.

Kim, aus deren Perspektive diese Geschichte erzählt wird, ist keine Bilderbuchprinzessin. Sie ist direkt, gerne auch mal unverschämt. Gerade zu Beginn ist sie aber vor allem wütend. Das hat Stefanie Neeb bewusst so entschieden, um kein Klischee einer Protagonistin zu bedienen. In ihrer Geschichte sollte es keine "funkelnde Heldin" geben. Sie sagt, ihr wurde früher der Eindruck vermittelt, dass Emotionen eine Wertung hätten: "Es gibt gute Gefühle und es gibt schlechte Gefühle und da ist Wut etwas, das man nicht haben darf." Mit dieser Haltung bricht sie, indem sie Kim zu ihrer vermeintlich negativen Art eine Geschichte gibt, den Leser verstehen lässt, warum das Mädchen handelt, wie es handelt.

Häufiger Kritikpunkt an ihrem Roman ist, die teils etwas rohe Sprache. Aber Kraftausdrücke kämen fast nur in den Gedanken der Protagonistin vor, erklärt die Autorin. Das sei realistisch, "wenn man mal an seine eigenen Gedanken denkt", gibt sie zu bedenken. Von aktueller Jugendsprache hat Stefanie Neeb sich trotzdem ferngehalten, obwohl sie mit ihrer Tochter wohl die optimale Übersetzerin zu Hause sitzen hätte. "Aber wenn die etwas sagt, was ich mir erst erklären lassen muss, dann versteht jemand, der in fünf Jahren hoffentlich noch mein Buch liest, das auch nicht", erläutert die Autorin den Schülern ihre Gedanken. Die Gymnasiasten grinsen.

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