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Lesewettbewerb in Markt Indersdorf:Souverän und ausdrucksstark

Sophie Kavka von der Realschule Odelzhausen gewinnt Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs

Als sie sich an den Tisch vor der Jury setzen und ihr Buch aufschlagen, werden ein paar Schüler doch nervös und zittern vor Aufregung. Einige verhaspeln sich beim Vorlesen ein paar Mal. Oder sie lesen nicht laut genug, um den Lärm, der immer wieder aus den anderen Klassenzimmern und dem Flur kommt, zu übertönen. Andere tragen ihren Text hingegen souverän und ausdrucksstark vor, so als wären sie schon bereit für das Finale in Berlin Ende Juni. 16 Schülerinnen und Schüler haben beim Regionalentscheid des 61. Vorlesewettbewerbes des Deutschen Buchhandels in der Aula der Mittelschule Markt Indersdorf teilgenommen und um die Wette gelesen. Zuvor hatten sich die Sechstklässler schon in ihren jeweiligen Klassen und Schulen im ganzen Landkreis gegen ihre Mitstreiter durchgesetzt.

Mit mehr als 600 000 Teilnehmern aus 7000 Schulen ist der Vorlesewettbewerb einer der größten Schülerwettbewerbe Deutschlands - und das seit 1959. Unter dem Motto "Lesen ist Kino im Kopf" findet er dieses Jahr schon zum 61. Mal statt. Sein Ziel ist es, Begeisterung und Freude am Lesen zu wecken und so die Lesekompetenz von Kindern zu stärken, vor allem in einer Zeit, in der soziale Netzwerke eine immer größere Rolle spielen. Außerdem soll den Schülern die Angst genommen werden, vor einem Publikum zu sprechen. Die Kreisentscheide sind die erste regionale Wettbewerbsetappe des bundesweiten Vorlesewettbewerbs und bestehen aus zwei Runden, in denen die Schüler ihr Vorlesetalent unter Beweis stellen müssen.

In der ersten Runde liest jeder Schüler eine kurze Stelle aus einem selbst gewählten Buch vor, das er oder sie zuvor kurz vorstellt. Dabei sind neben klassischen Kinder- und Jugendbüchern, wie "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" auch Gaming-Bücher von Autoren, die sonst sogenannte Let's Plays auf Youtube hochladen. Als der Wettbewerb beginnt, hört die Jury und das Publikum, bestehend aus Eltern, Geschwistern, Lehrern und einigen anderen Interessierten gespannt zu. Nachdem die 16 Wettbewerbsteilnehmer ihren Text vorgelesen haben, werden ihre Leistungen von der fünfköpfigen Jury beurteilt. Nach einer kurzen Kaffeepause lesen die Besten schließlich im Finale einen schwierigeren, unbekannten Text vor, der vorher von der Jury ausgewählt wurde.

Nach einem spannenden Vorlesenachmittag steht die Siegerin des Regionalentscheides fest: Sophie Kavka von der Realschule Odelzhausen, die aus dem Buch "Immer kommt mir das Leben dazwischen" von Kathrin Schrocke vorliest, setzt sich schließlich durch. Sie darf am Bezirksentscheid teilnehmen, der zwischen Mitte März und Ende April stattfinden soll. Aber auch die anderen Kinder gehen nicht leer aus: Alle erhalten eine Teilnehmerurkunde und einen Buchpreis. Einfach gefallen ist die Entscheidung der Jury bei so vielen jungen Vorlesetalenten sicher nicht. Und im Endeffekt steht ja sowieso immer das Mitmachen und nicht so sehr der Sieg im Vordergrund.

© SZ vom 15.02.2020