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Leidenschaftlich und erfahren:Die Verbindungsrektorin

Andrea Egle, 57, hat die Leitung der Einrichtung an der Anton-Günter-Straße übernommen.

(Foto: Toni Heigl)

Andrea Egle, neue Leiterin der Mittelschule Ost, liegen die Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse am Herzen

Mit offenen Armen sei sie von Kollegen und Schülern empfangen worden, erzählt Andrea Egle, die als Nachfolgerin von Renate Polansky die Leitung der Mittelschule-Ost an der Anton-Günter-Straße übernommen hat. Die Mittelschulrektorin, die bisher Schulen in München geleitet hat, schwärmt von ihrem neuen Arbeitsplatz. Nicht aus reiner Höflichkeit, vielmehr hat sie sich schon einen Eindruck verschafft, alle Klassen bereits persönlich besucht, das Lehrerkollegium als engagiertes Team kennengelernt. Ihr Fazit: "Diese Schule hat eine so positive Atmosphäre, dass ich mich wirklich freue, hier zu arbeiten."

Für die Mittelschule-Ost, die 302 Schüler in 17 Klassen besuchen, hat sich Egle bewusst entschieden. An der vergleichsweise kleinen Schule erhofft sie sich einen direkteren Kontakt zu Schülern, Lehrern und Eltern, aber auch zum Schulamt und der Stadt als Sachaufwandsträger. Dort findet sie eine Bildungsstätte vor, an der es mit gebundenem Ganztagszug, offenem Ganztagsangebot, Inklusionsprofil und Mittlere-Reife-Zug viel zu koordinieren gibt.

Eine Herausforderung ist derzeit, die bisherigen Übergangsklassen für Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse nach den Vorgaben des Kultusministeriums weiterzuentwickeln. Zwei dieser speziellen Lerngruppen, die "Deutschklassen" heißen, gibt es an der Mittelschule-Ost. Mit ein Grund übrigens, dass sich Egle für diese Schule interessiert hat. Denn die 57-jährige Rektorin hat jahrelange Erfahrung mit diesen Klassen für Kinder, die neu und ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland kommen. "An meiner bisherigen Schule habe ich die Ü-Klassen eingeführt."

Nun hat das Kultusministerium das Konzept überarbeitet, bis zum Halbjahr sollen die neuen Strukturen stehen. Zur intensiven Deutschförderung kommen Stunden zur kulturellen Bildung und Werteerziehung sowie für Sprach- und Lernpraxis. Auch soll der Unterricht in den Nachmittag hinein gehen. All das werde sich an der Mittelschule-Ost gut umsetzen lassen, ist Rektorin Egle überzeugt. "Da habe ich ein beruhigtes, positives Gefühl, dass wir das gemeinsam lösen werden." Zeitdruck gebe es nicht, das Schulamt begleite konstruktiv, ausreichend Lehrerstunden und damit Personal habe die Schule zur Verfügung. Auch die freien Träger, mit denen die Schule bereits für die Angebote im Ganztag zusammenarbeitet, haben schon Interesse an einer Mitwirkung bei den Deutschklassen signalisiert. "Das ist bewährt und sinnvoll, da zeichnet sich insgesamt eine gute Lösung ab."

Die "Deutschklassen" liegen ihr am Herzen. In einer hat sie den Kunstunterricht übernommen. Das sind Schulstunden, auf die sie sich freut. "Die Kinder können noch nicht viel Deutsch, aber sie bringen so viele Begabungen mit und können sofort loslegen." Künstlerisches Tun bringe die Menschen zusammen, auch ohne Sprache. Im kreativen Bereich möchte Egle weitere Projekte entwickeln. "Kunst verbindet und spricht jeden an, da können sich Schüler wie Lehrer kreativ einbringen." Weil die Kunst ihr persönliches Steckenpferd ist, hat Egle zu ihrer Überraschung und Freude schon bemerkt, "was in Dachau in Sachen Kunst los ist, da fühle ich mich angesprochen". Sobald an der Schule mehr Routine eingekehrt ist und sie sich eingelebt habe, will sie sich deshalb aufmachen, "Ausstellungen und Galerien besuchen, da gibt es viel zu entdecken".

© SZ vom 26.09.2018
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