Flanieren, plaudern und viel entdecken kann man am kommenden Freitag, 19. September, bei der 19. „Langen Nacht der offenen Türen“ in Dachau: 31 Museen, Galerien und Werkstätten haben von 19 Uhr bis 24 Uhr geöffnet – und womöglich auch darüber hinaus. Die Auswahl ist dabei so bunt wie die Kunst, die zu sehen ist. Auch Gemäldegalerie und Bezirksmuseum haben ein spezielles Programm vorbereitet. In ersterer ist die Ausstellung „Blick.Punkt. Was Blicke erzählen“ eine gute Einstimmung auf eine lange Nacht, bei der die Augen womöglich ordentlich herausgefordert werden. Im Bezirksmuseum lassen sich unter dem Titel „Die Welt im Spiel“ Brettspiele aus 200 Jahren erkunden. Beide Museen bieten halbstündige Sonderführungen an, im Bezirksmuseum laden Spiele zu einer kreativen Pause ein.
Die sollte jedoch nicht allzu lange dauern, denn es gibt auch diesmal echte Entdeckungen in der Langen Nacht, die seit 2007 von den engagierten Ehrenamtlichen des Fördervereins Dachauer Wasserturm organisiert wird. Im schmucken Wasserturm haben Sepp Baur, Josef Lochner sowie weitere Helfer im Laufe der Woche rund 140 Kunstwerke für die 14. große Kunstauktion am Sonntag, 21. September, vorbereitet. Am Freitag können die Arbeiten bekannter Kunstschaffender, darunter viele aus der Dachauer Kunstszene, ausgiebig besichtigt und bei Interesse schon mal Gebote abgegeben werden.
Lochner, in dessen Galerie an der Konrad-Adenauer-Straße gerade eine Josef-Beuys-Ausstellung läuft, freut sich schon auf viel Publikum. „Die lange Nacht ist eine tolle Veranstaltung. Da kommen so viele Besucher, und so mancher bleibt bis zum Schluss, obwohl es bei uns nichts zu essen oder zu trinken gibt“, sagt er. Für ihn ist wichtig, „dass die Kunst im Mittelpunkt steht“ und dass immer wieder jemand zu einem Gemälde, einer Zeichnung oder einer Skulptur finde, der er vorher keine Bedeutung beigemessen habe.

Die Auswahl ist groß. In der Volksbank-Raiffeisenbank zieht Florian Marschall „Zwischenbilanz“. Zudem ist das ansonsten nicht zugängliche Bankenmuseum geöffnet. Die Druckwerkstatt der KVD, der Künstlervereinigung Dachau, zeigt eindrücklich, wie die sogenannte „schwarze Kunst“ ganz ohne Digitalisierung und ohne KI über Jahrhunderte die prächtigsten Ergebnisse hervorgebracht hat. Das ist mehr als ein sentimentaler Rückblick auf vergangene Zeiten, in denen britische Butler für die hohen Herrschaften die „Times“ bügeln mussten, auf dass Mylady sich nicht die zarten Hände mit Druckerschwärze verunreinigte. Hier lässt sich nacherleben, was es mit den verschiedensten Drucktechniken auf sich hat. Spannend dürfte es auch in der Buchhandlung Subtext werden. Der Illustrator und Comic-Zeichner Thomas von Kummant lässt sich über die Schulter schauen und gibt zusammen mit Benjamin von Eckartsberg Einblicke in die Kunst des Erzählens mit Bildern.

Beim Künstlerinnen-Kollektiv Schere, Stein, Papier geht es im Alten Metzgerhof um „Kunst vor Schluss mit Schmuck, Skulptur, Gedrucktem, Mosaik und Licht“. Der Alte Metzgerhof ist bekanntlich derzeit nur noch sehr eingeschränkt nutzbar, weil die Stadtverwaltung erheblichen Handlungsbedarf in Sachen Gebäude- und Brandschutz sieht. Gegen das endgültige Aus wehren sich etliche Kunstschaffende – zum Beispiel auch mit einer Sprayer- und Graffiti-Aktion, deren Ergebnisse zum Teil schon zu sehen sind. Ein Besuch in diesem singulären Kunstrefugium garantiert also die eine oder andere Überraschung.
Eine „Ausstellung mit Arbeiten aus Kursen – auch Kunsttherapie“ sowie Arbeiten der jungen Talente Zaki Rahimi und Elias Weber erwartet die Besucher im Freien Atelier Sina Weber. Zaki Rahimis ausdrucksstarke Arbeiten zeigen auf den ersten Blick etliche Stars der Hollywood-Glitzerwelt und des Sports. Doch ein zweiter Blick lohnt sich – er offenbart das Bild hinter dem Bild.

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Keramikerin Monika Siebmanns ist bereits jetzt auf die Lange Nacht eingestimmt. Für sie ist dieses Kulturereignis „die beste Gelegenheit, in Ateliers zu schauen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt“. Schließlich stellt sie fest: „Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen nicht wissen, dass oder wo es uns Künstler gibt.“ Die Lange Nacht sei ideal, um „Neues zu entdecken und in all die Museen und Galerien zu gehen, in die man normalerweise nicht reingeht. Aus welchen Gründen auch immer.“
19. Lange Nacht der offenen Türen. Freitag, 19. September, 19 Uhr bis 24 Uhr. Freier Eintritt in Museen, Galerien, Werkstätten und Ateliers. Die 14. Kunstauktion im Wasserturm am Sonntag 21. September, beginnt 10 Uhr, Vorbesichtigungen sind am Freitag, 19. September, von 19 bis 24 Uhr und Samstag, 20. September, von 14 bis 17 Uhr. Weitere Informationen und Flyer auf www.dachauerwasserturm.de

