Landtagswahl Das Land voranbringen

Der FDP-Landesvorsitzende Daniel Föst schämt sich für die aktuelle Lage der Bundespolitik.

(Foto: Toni Heigl)

Daniel Föst, der FDP-Landesvorsitzende Bayerns, ist zu Besuch in Dachau. Die Partei erkennt in Zukunftsthemen und klaren Debatten ihre Chance.

Von Jana Rick, Dachau

Er kommt etwas zu spät zur Wahlkampfveranstaltung der FDP in Dachau. Daniel Föst, Mitglied des Deutschen Bundestages und Landesvorsitzender der FDP Bayern, entschuldigt sich: er habe telefonisch noch einiges regeln müssen, im Bundestag gehe alles drunter und drüber.

Die Anwesenden im Saal wissen, wovon er spricht, es geht um die Beförderung des bisherigen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär in Horst Seehofers Bundesinnenministerium. "Das macht mich wütend", sagt Föst. Er gestikuliert wild, auf seiner Stirn bilden sich Schweißperlen, wenn er über die aktuelle Lage der Politik spricht. "Die Regierung ist mehr mit sich beschäftigt, als ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen, nämlich die Probleme des Landes zu lösen", schimpft er: "So führt man vielleicht einen Kegelclub, aber nicht unser Land". Doch auch er weiß, dass es vielleicht genau diese Vertrauensbrüche mit der Politik sind, die kleinen Parteien wie der FDP täglich ein kleines Stück mehr Möglichkeiten geben.

Etwa 20 Zuhörer sind gekommen, mehr als von der Partei erwartet

Das ist auch an diesem Abend im Gasthaus Drei Rosen zu spüren. Etwa 20 Zuhörer sind gekommen, mehr als von der Partei erwartet. Die Mitgliederanzahl im Landkreis ist wachsend, derzeit sind es fast hundert. "Das hätten wir nicht gedacht", gibt Frank Sommerfeld zu, der Direktkandidat der Dachauer FDP. Der hauptberufliche Orthopäde ist erst seit eineinhalb Jahren bei der FDP, er sieht sich als einen "Neuling" in der Politik. Trotzdem weiß er genau, was er will. Wenn er gefragt wird, wem er in dieser Wahl den Kampf ansagt, dann antwortet er: "Niemandem. Ich mache mein Ding." Dass sich Sommerfeld besonders im Bereich der Gesundheit einsetzen möchte, ist naheliegend.

Direktkandidat Frank Sommerfeld möchte sich für den Landkreis einsetzen.

(Foto: Toni Heigl)

Auch sonst zieht sich das Thema des Pflegenotstandes durch den Abend. Sommerfeld beschwert sich darüber, dass erst kürzlich zwei Arztsitze von Markt Indersdorf nach Dachau verlegt wurden, wo doch immer davon die Rede sei, auch das Hinterland flächendeckend mit Ärzten zu versorgen. Föst unterstützt ihn in diesem Punkt, er appelliert daran, dass man den ländlichen Raum in der Bundespolitik nicht vergessen dürfe. "Wir zwingen die Menschen in die Stadt", sagt er. Eine mögliche Lösung wären Prämien für Landärzte und Apotheker.

Das zweite große Thema des Abends: Wohnungsnot und steigende Mietpreise. 400 000 Wohnungen würden in ganz Bayern fehlen, und für Föst gibt es dafür nur eine Lösung: "Das einzige, was hilft, ist mehr und billiger bauen." Nur so könne man mehr Wohnraum schaffen. Immer wieder sprechen die zwei Politiker vom "Stillstand" in Bayern, der Freistaat laufe der Gefahr entgegen, auf seinem Wohlstand sitzen zu bleiben. "Ich möchte konkret etwas in Angriff nehmen, etwas bewegen", sagt Sommerfeld. Seine im Beruf erlernten Prinzipien möchte er nun politisch zum Ausdruck bringen: "Jeder sollte Architekt seines eigenen Lebens sein". Selbstbestimmung also, das traditionelle Leitwort der Freien Demokraten. Diese beginne beim Datenschutz, die aktuelle Datenschutzregelung reiche nicht.

Digitalisierung ist das nächste große Ziel

Dennoch: Digitalisierung ist das nächste große Ziel. Die digitale Infrastruktur sei Staatsaufgabe, beginnend in den Schulen. Auch Sommerfeld möchte sich für die Digitalisierung einsetzen, er macht damit bereits auf seinen Wahlplakaten aufmerksam: Scancodes ermöglichen es den Bürgern, sich mit ihren Smartphones "Live-Infos" über den Kandidaten anzuschauen. Sommerfeld ist auch auf den sozialen Netzwerken präsent, beispielsweise auf Facebook. Erreichbarkeit ist sein weiteres Versprechen an die Bevölkerung: "Es fehlt das Verständnis für die Leute. Ihnen wird nicht mehr zugehört", so der Kandidat. Das möchte er ändern. Seine Chancen in der Wahl könne er nicht einschätzen. "In 13 Jahren habe ich 35 000 Menschen behandelt. Ob die mich auch alle wählen, werden wir sehen", sagt er.

An diesem Abend sind viele Patienten und Kollegen im Publikum. Föst ist anzumerken, dass er erfahren ist und häufig auf großer Bühne steht. "Die AfD marschiert als Rotte hinein", sagt Föst, er bringt das Publikum mit Aussagen wie dieser zum Lachen. Die FDP werde sich nicht mehr provozieren lassen, so Föst, denn wenn man der AfD ständig "auf den Leim" gehe, verliere man das eigentliche Ziel aus den Augen. Nämlich die Debatte auf das zu fokussieren, was das Land voranbringt. Nach fast zwei Stunden schließt er seinen Auftritt mit den Worten: "Ich bin mir sicher, dass wir wieder einziehen werden."