Landschaftsschutzgebiet Ein klares Nein

Landrat Stefan Löwl besänftigte in Hebertshausen aufgebrachte Gemüter.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Hebertshausener Gemeinderat lehnt ein neues Landschaftsschutzgebiet auf seinem Gebiet kategorisch ab

Von Petra Schafflik, Hebertshausen

Der Ärger im Gemeinderat hat sich gelegt, das sachliche Veto bleibt: Einem neuen Landschaftsschutzgebiet (LSG) auf Hebertshausener Gebiet in Richtung Dachau wird die Gemeinde nicht zustimmen. Dies machten Sprecher aller Fraktionen am Dienstag in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres unmissverständlich klar. Ihre Stellungnahmen richteten sie direkt an Landrat Stefan Löwl (CSU), der ins Rathaus gekommen war, um die aufgebrachte Stimmung zu besänftigen. Auslöser für den Unmut war das im November verabschiedete Konzept der Kreispolitik zu einem neuen Landschaftsschutzgebiet. Darin wurden spontan und ohne vorherige Absprache auch Hebertshausener Flächen als potenzielle Schutzzone vorgeschlagen. Dem Landrat gelang es, die Hebertshausener Sorgen zu entkräften. Mit der Zusage, dass ein LSG ohne ausdrückliche Gemeinde-Zustimmung nicht kommen wird, gingen die Räte einigermaßen friedlich gestimmt in die Weihnachtspause.

Als sie im November aus der Presse erfuhren, dass ein Landschaftsschutzgebiet auch auf Hebertshausener Flur angedacht ist, war die Empörung groß. Zumal von dem neuen Kreiskonzept, das die CSU-Fraktion im Umwelt- und Kreisausschuss erst kurzfristig präsentiert hatte, auch Bürgermeister Richard Reischl (CSU) erst wenige Stunden vor der Sitzung erfahren hatte. Dieses "Missverständnis um das Landschaftsschutzgebiet", wie der Rathauschef nun schon deutlich konzilianter formulierte, sollte in einer Diskussion mit dem Landrat ausgeräumt werden. Und zwar in öffentlicher Sitzung, wie Marianne Klaffki (SPD) und Martin Gasteiger (FW) erfolgreich anregten. Nur noch am Rand gestreift wurden dann die atmosphärischen Störungen, konkret die noch im November massiv kritisierten Informationsdefizite. Dass Gemeinderäte ihr Wissen aus der Zeitung beziehen müssen, "sollte nicht mehr vorkommen", forderte Andreas Schaller (CSU). Doch der Landrat erklärte, auch er selbst habe vom Konzept der Kreis-CSU erst kurzfristig erfahren. Zudem sei es durchaus legitim, dass sich Kreisräte übergreifende Gedanken machten. "Hebertshausen ist schließlich Kreisgebiet."

Bevor die Gemeinderäte dann ihre Argumente gegen das geplante Landschaftsschutzgebiet vorbringen konnten, informierte der Landrat ausführlich über die "Historie" des LSG-Antrags. Der jüngste Vorstoß kam von Karlsfeld und Dachau wie parallel vom Bund Naturschutz, die Flächen zwischen den beiden Kommunen als Schutzzone festlegen möchten. Erste Prüfungen und eine "geführte Wanderung" hätten dann im Sommer ergeben, die von Dachau beantragten Flächen südlich der Schleißheimer Straße aus dem Konzept zu nehmen, dafür Hebertshausener Areale "einmal anzuschauen". Dort sei eine Ausdehnung des bestehenden LSG im östlichen Dachauer Moos bis zur geplanten Süd-Umfahrung von Hebertshausen sinnvoll. Natürlich ohne die Planungen der Ortsumgehung zu behindern, wie der Landrat betonte. Denn Löwl unterstützt ausdrücklich alle drei geplanten Strecken - Nord- und Ost-Umfahrung Dachau wie Süd-Umfahrung Hebertshausen - als "essenziell zur Bewältigung unserer Verkehrsprobleme". Aber abseits der Straßenkorridore gebe es eben auch "Natur-Juwele" wie das Schwarzhölzl und das Hebertshausener Moos. Dort wäre die Ausweisung neuer, angrenzender LSG-Gebiete als "Pufferzone" durchaus sinnvoll.

Aber definitiv nicht jetzt in Hebertshausen, so die geschlossene Haltung des Gemeinderats. Genau wegen der großen Bedeutung der geplanten Umfahrung für den vom Durchgangsverkehr gequälten Ort wehrt sich Hebertshausen gegen jede LSG-Planung, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Zwar ist für die geplante Süd-Umfahrung des Dorfs bereits ein Korridor "raumfestgestellt". Doch die Gemeinde, so Bürgermeister Reischl, favorisiere eine andere, ortsnähere Trasse. Jeder planerische Eingriff im Umfeld kommt daher zur Unzeit und soll unterbleiben. Ein Landschaftsschutzgebiet schaffe "nur Probleme", meint auch Martin Gasteiger (FW), weil geschützte Areale dann nicht mehr als Ausgleichsflächen für die Umgehungsstraße gewidmet werden könnten. Die Gemeinde würde sich selbst wichtiger Optionen berauben. Genau deshalb seien die LSG-Pläne "Schwachsinn und bringen nur Nachteile", schimpfte Clemens von Trebra (CSU). Grundsätzliche Bedenken hat Andreas Schaller (CSU). Ein Landschaftsschutzgebiet bringe der Natur auf den fraglichen Flächen nichts, "aber wir schränken die Planungshoheit künftiger Generationen ein." Angesichts der Gegenargumente erklärte Landrat Löwl mehrfach, ein Schutzgebiet sei noch nie gegen den Willen einer Kommune ausgewiesen worden. Als "Kernsatz" der Debatte formulierte Marianne Klaffki (SPD): "Gegen Hebertshausen geht es auf gar keinen Fall."

Löwl hielt fest, dass erst wieder über ein potenzielles Schutzgebiet in Hebertshausen zu sprechen sei, wenn die Umgehungsstraßen samt Erweiterungskorridoren geplant und Ausgleichsflächen benannt sind. Auch wenn das aktuelle Nein des Rats feststeht, läuft das LSG-Verfahren formal weiter. Das Prozedere ähnelt dem eines Bebauungsplanverfahrens, so dass Öffentlichkeit, betroffene Anlieger und Grundbesitzer wie auch Kommunen und Behörden als sogenannte Träger öffentlicher Belange informiert und beteiligt werden. Anfang 2017 wird der Landkreis die Gemeinde offiziell um Stellungnahme bitten. Die Antwort steht schon fest: Hebertshausen wird die diskutierten Argumente erneut schriftlich einreichen.