Landratswahl Eine Allianz gegen Schwarz

Fraktion und Kreisverband der Freien Wähler ergreifen Partei für den SPD-Kandidaten Martin Güll in der Stichwahl gegen den CSU-Bewerber Stefan Löwl. Die Grünen signalisieren Unterstützung, und die ÖDP überlegt noch.

Von Helmut Zeller

Die SPD hat rasch reagiert: Am Morgen nach dem Wahlsonntag prangt schon der Aufkleber zur Stichwahl zwischen ihrem Landratskandidaten Martin Güll und dem CSU-Bewerber Stefan Löwl auf dem Wahlplakat vor dem Landratsamt.

(Foto: Toni Heigl)

Nach 37 Jahren rückt ein Machtwechsel im Dachauer Landratsamt in greifbare Nähe: SPD-Mann Martin Güll, 60, kann sich in der Stichwahl mit dem CSU-Bewerber Stefan Löwl auf die Unterstützung durch die Freien Wähler (FW) im Landkreis verlassen. Auch die Grünen haben eine Wahlempfehlung für den Landtagsabgeordneten Güll signalisiert, der am Sonntag mit einem unerwartet hohen Wahlergebnis von fast 38 Prozent der CSU eine schwere Niederlage bereitet hat. Sein Kontrahent brachte es auf nur knapp 42 Prozent - und geht damit in ein offenes Rennen. Martin Güll erklärte der SZ am Montag, dass er im Falle eines Wahlsiegs sein Landtagsmandat niederlegen würde.

Damit beendete Güll alle Spekulationen darüber, ob er als bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion überhaupt in die Kreispolitik wechseln wolle. "Ich habe genügend Phantasie, um das Amt des Landrats neu zu interpretieren und neue Schwerpunkte zu setzen", sagt Güll. Dafür wollen die Freien Wähler die Voraussetzung schaffen: Michael Reindl, Vorsitzender der FW-Kreistagsfraktion, sagte der SZ am Montag: "Fraktion und Kreisverband werden bei der Stichwahl am 30. März Martin Güll unterstützen, damit die Landkreisbürger einen Landrat aus ihrer Mitte bekommen." Michaela Steiner, die FW-Landratskandidatin, hatte es auf 20,23 Prozent gebracht. Auch die meisten Stimmen der Grünen dürften Güll sicher sein. "Es wird wohl auf eine Empfehlung für ihn hinauslaufen", sagte die Fraktionssprecherin Marese Hoffmann. Zwar werden die Grünen darüber am Mittwoch entscheiden. Doch als im Vorfeld der Wahlen über eine Empfehlung diskutiert wurde, hatten sich schon acht von zwölf Grünen für den SPD-Mann ausgesprochen. Die ÖDP-Spitzenkandidatin Mechthild Hofner sagte, ihre Partei werde auch bis Mittwoch über eine Wahlempfehlung beraten haben.

Für Güll ist, wie er sagt, das Ergebnis der Stichwahl völlig offen - die Frage ist, wie weit die Wähler der Empfehlung von FW, Grüne und ÖDP folgen. Aber die Allianz, die Güll im Vorfeld der Kommunalwahl gegen den CSU-Landratsbewerber erfolglos zu schmieden versucht hat, steht nun auf festem Boden. Es ist eine historische Chance auf einen Machtwechsel: Nicht nur geht die Ära von Hansjörg Christmann nach 37 Jahren zu Ende. Das Amt des Landrats war seit den Nachkriegsjahren immer in der Hand der CSU.

Seinen Wahlerfolg führt Güll darauf zurück, dass Kommunalwahlen doch vor allem Persönlichkeitswahlen seien. Einer bayernweiten Umfrage zufolge achten 88 Prozent der Wähler zuvörderst auf den Kandidaten, nicht auf die Partei. Der ehemalige Schulrektor aus Markt Indersdorf hat offenbar auch traditionelle CSU-Wähler angesprochen. Das haben, wie Güll sagte, ihm auch etliche im persönlichen Gespräch anvertraut. Dem SPD-Quereinsteiger gelang bei der Landtagswahl 2008 mit 26 Prozent auf Anhieb der Sprung ins bayerische Parlament, fünf Jahre später erreichte 23 Prozent und jedesmal mehr als seine Partei. In der Landratswahl punktete Güll nicht nur in den Gemeinden seines ehemaligen Schulsprengels. In seinem Wohnort Hilgertshausen-Tandern erreichte der SPD-Politiker sein bestes Ergebnis: knapp 59 Prozent. In Petershausen, Weichs, Vierkirchen und Markt Indersdorf lag er zwischen 44 und 48 Prozent der Stimmen und übertraf Stefan Löwl bei weitem. In Röhrmoos lag er fast gleichauf mit ihm. Selbst in einer CSU-Hochburg wie Altomünster kam Güll noch auf 31, 76 Prozent. Und dann Dachau: 40,39 Prozent der Stimmen - mehr als der CSU-Bewerber. Nur in Karlsfeld lag Güll fast 20 Prozentpunkte unter Löwls Ergebnis (49 Prozent).

Das Dachauer Ergebnis schmerzte die CSU, die fest mit Löwls Wahlsieg gerechnet hatte, besonders. Am Montag trafen sich Parteispitzen zu einer Beratung im Dachauer CSU-Büro. Sie setzen für die Stichwahl darauf, ihre Stammwählerschaft in Dachau und Karlsfeld zu mobilisieren. Überhaupt erklärt man sich das Debakel damit, dass zu viele CSU-Wähler nicht abgestimmt hätten. Das hält die Grünen-Politikerin Marese Hoffmann für eine Ausrede: "Es war der fehlende Stallgeruch." Viele Wähler hätten gesagt, Löwl sei ja gar nicht aus dem Landkreis. Der Kandidat wohnt in Hof und arbeitete als Umweltexperte im Landratsamt. "Ich bin zu wenig bekannt", räumte Löwl ein, dem Güll einen "ordentlichen Wahlkampf" attestierte.