Landratswahl Der Bürger will die Wende

Ein scheinbar ehernes Gesetz im tiefschwarzen Dachauer Land ist nun außer Kraft: Nicht jeder Kandidat, den die CSU aufstellt, wird gewählt.

Ein Kommentar von Helmut Zeller

Diese Kommunalwahl endete mit einer Sensation, an die niemand geglaubt hatte. SPD-Bewerber Martin Güll, den die CSU schon seit seinem triumphalen Einzug in den Landtag 2008 fürchtet, liegt fast gleichauf mit seinem CSU-Kontrahenten Stefan Löwl. Das bedeutet, Güll hat wie in Petershausen oder Markt Indersdorf nicht nur Stimmen der sozialdemokratischen Wählerklientel abgeschöpft. Kommunalwahlen sind eben doch vor allem Persönlichkeitswahlen: Güll hat ein politisches Profil und genießt Popularität unter vielen Bürgern. Sie rührt von seinem mutigen Engagement schon als Schulleiter gegen die CSU-Bildungspolitik her. Sie gründet in seiner Kompetenz als Bildungsexperte seiner Landtagsfraktion - und nicht zuletzt darin, dass er dem Wähler glaubwürdig erscheint.

Es gibt vermutlich noch weitere Ursachen für diesen unverhofften Wahlausgang. Offenbar wünschen viele Wähler am Ende der Ära Christmann doch eine politische Wende. Die Chance dafür hat sich nun wieder aufgetan, nachdem die Versuche Gülls eine Allianz gegen die CSU zu schmieden schon im Vorfeld an den Freien Wählern gescheitert waren. Wäre es ihm gelungen - dann hätte dieser Wahlsonntag vielleicht mit einer völligen Niederlage der Christsozialen in den Landratswahlen geendet. Ein scheinbar ehernes Gesetz im tiefschwarzen Dachauer Land ist nun außer Kraft: Nicht jeder Kandidat, den die CSU aufstellt, wird gewählt. Das Ergebnis lässt auf eine große Unzufriedenheit der Bürger mit der CSU-dominierten Kreispolitik schließen - schon der bislang unangefochtene Landrat Christmann errang bei den Wahlen 2008 nur noch 53 Prozent und büßte 13 Prozent ein. Auch die abermals geringe Wahlbeteiligung von 54,24 Prozent ist ein Warnzeichen. Mehr und mehr Bürger fühlen sich auch in der Kommunalpolitik nicht mehr wirklich aufgehoben.

CSU-Mann Löwl versprach im Grunde vor allem, dass alles beim alten bleiben würde. Und genau das wollen viele Wähler nicht, sie wollen mehr Bürgerbeteiligung und neue Politikansätze. Deshalb hat auch eine Außenseiterin wie Michaela Steiner einen großartigen Achtungserfolg eingefahren. Plötzlich ist sie wieder da - die Chance auf eine Wende.