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Geschlossene Dachauer Freibäder:Sommer ohne Abkühlung

Die Freibäder im Landkreis bleiben vorerst geschlossen, obwohl sie längst wieder öffnen dürften. In Dachau steigt der Unmut. Politiker werfen den Stadtwerken vor, die Bauarbeiten als Grund für die Schließung nur vorzuschieben

Familienbad

Vor verschlossenen Türen: Das Familienbad in Dachau bleibt weiter geschlossen. Wann es wieder aufmacht, ist unklar.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Freibadsaison im Landkreis Dachau könnte zu Ende sein, bevor sie überhaupt begonnen hat. In Ainhofen hat der Betreiberverein, der VfB Ainhofen, das Aus des Freibads schon bestätigt, in Vierkirchen will Bürgermeister Harald Dirlenbach (SPD) dem Gemeinderat an diesem Donnerstag empfehlen, das Naturbad 2020 nicht mehr zu öffnen. Die Ein- und Ausgangskontrollen sowie die Überwachung der Mindestabstände sei mit ehrenamtlichem Personal nicht zu stemmen, sagt Dirlenbach. "Mir tut das furchtbar leid für die Kinder."

Auch hinter dem Dachauer Familienbad steht weiterhin ein Fragezeichen - und es wächst mit jedem Sonnentag. Wie Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) mitteilt, arbeiten die Stadtwerke noch immer an einem Ticketsystem. Außerdem könnte das Bad wegen Bauarbeiten wohl erst am 15. Juli öffnen. Rund 200 000 Euro würde der Betrieb unter Corona-Bedingungen zusätzlich kosten, so der Rathauschef. Ob das Freizeitbad unter diesen Vorzeichen überhaupt öffnet? Das soll am Dienstag der Werkausschuss des Stadtrats entscheiden. Aber der Streit um das Bad schwelt schon jetzt, mehrere Stadträte pochen auf den Saisonstart, die CSU wirft den Stadtwerken vor, die Eröffnung zu verschleppen.

Offiziell dürften Besucher im Familienbad schon seit 8. Juni wieder schwimmen und planschen. Ende Mai lockerte die bayerische Staatsregierung ihre strenge Corona-Verordnung und erlaubte den Freibadbetrieb - unter Hygienevorgaben. Vielerorts machten sich die Betreiber an die Arbeit und klügelten Einlasskontrollen, Buchungssysteme und Infektionsschutzkonzepte aus. Und in Dachau? Ende Mai teilten die Stadtwerke mit, dass eine Eröffnung im Juni ausgeschlossen sei. Bauarbeiten im Schwimmer- und Sprungbecken, die ursprünglich schon im April abgeschlossen sein sollten, hätten sich verzögert. Man könne frühestens im Juli öffnen, so die Botschaft. Nun ist der Sommer da und in der Bevölkerung fragen sich viele: Wird das noch was?

Gerne hätte man von den Stadtwerken erfahren, ob und wann das Familienbad aufmacht - und welche Hygienebestimmungen gelten. Doch die Stadtwerke sagen dazu: nichts. Auf wiederholte Nachfrage weist Sprecherin Cornelia Scheyerl in einer kurzen Mitteilung nur darauf hin, dass die Entscheidung am 30. Juni im Werkausschuss falle. "Eine Öffnung unter den aktuellen Corona-Auflagen mit begrenzten Besucherzahlen et cetera bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für die Stadtwerke, sowohl organisatorisch, personell als auch finanziell", erklärt Scheyerl. Dennoch treffe man derzeit "alle Vorbereitungen für einen sicheren Freibadbetrieb". Wer am Mittwoch von außen einen Blick in das Familienbad wirft, sieht noch immer eine Baustelle und leere Becken. Ob die Arbeiten wie angekündigt Ende Juni abgeschlossen werden? Kein Kommentar der Stadtwerke.

Deutlich kommunikativer ist Oberbürgermeister Hartmann. Er berichtet, dass eine Öffnung des Familienbads wohl frühestens am 15. Juli möglich sei - erst dann sollen alle Arbeiten abgeschlossen und die Becken mit Wasser gefüllt sein. Auf die Stadtwerke kämen Mehrkosten von rund 200 000 Euro zu - eine teure Angelegenheit für das ohnehin schon defizitäre städtische Unternehmen. Doch nicht das Geld stehe für ihn an erster Stelle, sondern die Gesundheit der Bürger, betont Hartmann. Man müsse verhindern, dass sich an den Kassen lange Schlangen bilden, in denen das Infektionsrisiko hoch sei. Dafür brauche es eine technische Lösung, etwa eine Online-Ticketreservierung, damit Besucher erst gar nicht unangemeldet kämen. Die Stadtwerke, so Hartmann, würden derzeit daran arbeiten, hätten aber noch keine Lösung. Den Einwand, dass das Infektionsrisiko im abgezäunten Bad besser kontrolliert werden könne als an überfüllten Badeseen, will Hartmann nicht gelten lassen. "Am See gibt es keine Schlangen an den Kassen. Und wenn bei uns etwas passiert, stehen wir als Stadt am Pranger." Solange es keine gute Lösung für das Problem gebe, wolle er sich auch nicht für eine Öffnung aussprechen, sagt Hartmann.

Die Ratlosigkeit hält an - nicht nur bei Schwimmfans. Auch im Stadtrat ist Unverständnis zu hören. CSU-Politikerin Gertrud Schmidt-Podolsky zeigt sich genervt von der "Blockadehaltung" der Stadtwerke. Sie ist Mitglied im Werkausschuss und klagt über mangelnde Informationen. Die Bauarbeiten hält sie für "vorgeschoben", um einer Öffnungsdiskussion aus dem Weg zu gehen. Anfang Juni schickte die CSU einen Fragenkatalog an Werkleiter Robert Haimerl, um etwa zu erfahren, weshalb die Sanierungsarbeiten so lange dauerten - eine konkrete Antwort gab es nicht. In einer Mitteilung nennt es die Fraktion "nicht nachvollziehbar", warum die Stadtwerke der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten würden. Schmidt-Podolsky findet es kurios, dass der Stadtrat nun über die Eröffnung entscheiden muss. "Es ist doch normal, dass das Bad öffnet." Im Gegenteil, sagt sie, der Werkausschuss hätte über die anhaltende Schließung befinden müssen. Doch diese Entscheidung sei "selbstherrlich" von den Stadtwerken getroffen worden. Ihre Fraktion werde sich "wild entschlossen" für den Start einsetzen. Auch Bäderreferentin Ingrid Sedlbauer (ÜB) spricht sich für eine Freibadsaison 2020 aus. Stadt und Stadtwerke sollten das Bad nicht aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen lassen und ein Herz für Familien mit Kindern zeigen.

© SZ vom 25.06.2020

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